
Die unheiligen Abenteuer der Marie von Turbenau im Heiligen Land
(in Arbeit)
Prolog: Das Heilige Land, Anno Domini 1172
Der heiße Wind wehte den rötlichen Staub über das Lager der Kreuzfahrer. Friedrich Wilhelm von Turbenau, Graf über eine karge Grafschaft an der böhmischen Grenze, saß schweigend am Feuer. Sein Antlitz – vom Staub und der Sünde zerfurcht – spiegelte kaum noch den Mann wider, der einst in jungen Jahren mit Gottes Zorn und Schwert ausgezogen war, das Heilige Land zu befreien.
Er hatte nicht den Erlöser gefunden, sondern Dämonen, in sich selbst und in anderen. In den Blutbädern vor Damaskus, in den Folterkellern der Tempelritter, in den Augen der Sarazenenkinder, die er brennen sah. Nun war er verschollen. Vielleicht tot. Vielleicht hatte er das Heilige Land nie verlassen. Vielleicht war er längst ein Teil seiner Verdammnis geworden. Er musste jetzt eine Entscheidung für sein Seelenheil treffen.
Kapitel I: Der Abgrund
Turbenau, Böhmen, Anno Domini 1172
Der Nebel kroch wie ein alter Hund durch die Felder, legte sich über das Tal und umhüllte die zerfallende Kapelle am Rande des Abgrunds. Josef Ebern, Steinmetz und seit Kurzem Witwer, stand dort mit leerem Blick. Im Kindbett hatte er sie verloren – sie und das Mädchen, das er nie in den Armen halten durfte. Die Trauer war noch frisch, die Werkzeuge lagen seit Tagen unberührt. Die Hände, einst geschaffen für das Meißeln in Stein, hingen schlaff an seinem Körper.
Da hörte er Stimmen. Hastig. Hart. Männer. Söldner. Flüche. Plötzlich sah er eine Frau, barfuß, das Haar wild, sie stolperte den Hang herauf – ein Bündel in den Armen. Hinter ihr: zwei Männer in den Farben der Stammburg von Turbenau.
Sie schrie. Vielleicht um Hilfe. Aber auch wie ihm schien, mehr aus Wut und Verzweiflung. Auch Josef entglitt eine Schrei, den mit letzter Kraft schleuderte sie das Kind jetzt über den Abgrund, dort, wo der Wald in die Tiefe stürzte.
Josef trat rasch vor, ohne zu denken – instinktiv. Mit einem Satz war er am Abhang, sah, wie das Bündel zum Glück an einem Dornbusch hängen blieb, nur wenige Klafter über ihm. Er kletterte, zog es zu sich – das Kind lebte. Ein Mädchen.
Er blickte hoch. Die Mutter war fort, als er den Abgrund erklomm. Keine Spur mehr von ihr und ihren Verfolgern. Nur ihre Schreie, bald verhallend, begleiteten den Wind.
Er nannte das Kind Marie.
Kapitel II: Die Erbin der Schatten
17 Jahre später
Turbenau, einstiges Lehen derer von Turbenau, war ein Ort ohne Richtung. Der Graf war seit fast zwei Jahrzehnten verschollen im heiligen Land und galt als tot, sein jüngerer Bruder und Nachfolger, seit geraumer Zeit in geistiger Umnachtung. Die Bauern zahlten Abgaben an seine Söldnerführer, die sich selbst als Herren aufspielten. Alte Geschichten flüsterten schon lange von einem Fluch über dem Hause Turbenau.
Marie, nun 17, trug das Haar wie ein Knecht und das Schwert wie ein Mann. Josef hatte ihr beides gegeben – Name und Klinge. Niemand kannte ihre Herkunft, nur dass sie „aus dem Abgrund“ gekommen sei. Ein wildes Ding, sagten die Leute. Klug. Schön. Zornig.
Eines Nachts stand sie vor Josefs Bett, ein altes Pergament in der Hand – ein Brief ihrer sterbenden Mutter, den Josef in der Decke fand in der sie als Baby gewickelt war und ihr nie hatte geben wollen, um sie zu schützen. Das Siegel darauf trug das Zeichen der Grafen von Turbenau: drei gekreuzte Schwerter über einer Felsklippe.
„Ich muss wissen, wer ich bin“, sagte sie.
„Dann wirst du immer lügen müssen“, antwortete Josef.
Am nächsten Morgen ging sie fort. Mit Schwert und einem Eid, den sie ihrem Ziehvater und sich selbst schwor:
„Ich werde die Wahrheit finden. Und wenn ich durch Hölle und Heiligkeit reiten muss.“
Papst Clemens der III. hatte gerade zum 3. Kreuzzug aufgerufen. Kaiser Friedrich Barbarossa, Phillip der II, König von Frankreich und der englische König, Richard Löwenherz nahmen das Kreuz.
Ausblick: Weitere Handlungselemente (Ideen)
- Rittermaid inkognito: Marie tritt in den Dienst eines Ordens oder einer Kompanie als junger Ritter – ihr Geschlecht verschleiert, ihre Herkunft noch unklar, aber ihre Fähigkeiten und ihr Mut machen sie rasch bekannt.
- Verfall der Grafschaft: Turbenau wird von innen zerfressen – ein Vakuum an Macht, in das sich religiöse Fanatiker, geldgierige Adlige und ehemalige Weggefährten des verschollenen Grafen stürzen.
- Das Tagebuch des Vaters: In Jerusalem oder Akkon findet Marie Hinweise auf ihren Vater – Briefe, ein Tagebuch, vielleicht sogar einen ehemaligen Waffenbruder, der sie über die geistige Wandlung Friedrich Wilhelms aufklärt.
- Der innere Kampf: Marie ist zerrissen zwischen Herkunft und Aufwachsen. Sie fühlt sich dem Volk verbunden, ist aber von Geblüt derer, die es unterdrücken. Wer ist sie – Retterin oder Erbin des Verderbens?
- Finale in Turbenau: Marie kehrt zurück, mit Wissen und Anspruch. Doch was sie beansprucht, bringt Krieg. Zwischen ihr und der Wahrheit steht ein Bastard-Bruder – einer, der nie geboren wurde, sondern gemacht.
Charaktere vertiefen (z. B. den alten Josef, Maries Mutter, einen Rivalen, den Hofnarr, eine kluge Nonne, einen gerissenen Bischof…)
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