Drachentränen & Feenkrone 3

BUCH 3:

(IN ARBEIT!!!)

Prolog
1. Hamfast vom Stein
2. Throgar
3. Das Urm
4. Der Wettstreit

—————-
5. Selime
6. Tewiak & Alnor
7. Sorenn
8. Daral
9. Elarell
10. Sorl
11. Asrial
12. E’Nondrie
13. Meloragh
Nekrolog … und weitere Nachgeschichten.

PROLOG:

HALLIG’TUR

… weit entfernt vom bisherigen Geschehen.

…ein inneres Verlangen
stärker als Drachenflammen
ein Wille des Seins
ein Gedanke der Macht
den keiner verlacht
aus dem Ei steigt sie erneut,
die geflügelte Pracht.
1

Dichter Schnee fiel über den zugigen Zinnen und hohen Türmen von Hallig’tur.

Die Burg überragte in riesigen schattenreichen Umrissen, das winterlich stille Flusstal.

Gerüche und Lichter drangen aus dem Inneren.

Letztes geschäftiges Treiben und wie immer, die regelmäßige Wachablösung auf den Wehrgängen und am großen Tor.

Dampfende Dachschlote über dem Palas, die sich vom Grau des Himmels kaum abhoben.

Ferid der Wolf, wie der Endar-Waldläufer in dieser Gegend genannt wurden, spielte gedankenverloren mit zwei kleinen hölzernen Stöckchen, die er während des Abendmahles geschnitzt hatte.

Sein Blick wandert den steilen, felsigen Hang hinab, über die vielen Sturmmauern und Schutzgräben hinweg, zu den gefrorenen Ufern des breiten Flußes Morfuhl.

Es war sein letzter Abend hier, bevor er weiter Richtung Norden wollte, zum Waldläufer Treffpunkt am Ty-Ril-dar, dem Zungensteinen.

Die andere Seite des Tales, war nun mehr und mehr in die tiefen Schatten der mit großen Schritten herannahenden Nacht gehüllt, die nur seine geübten Wolfsaugen scharf durchdrangen.

Aus unterschiedlichster Entfernung konnte man die Schreie der verschiedensten Nachttiere vernehmen.

Ferid hörte auch schwach das tiefe Brüllen eines Scunt, eines großen weißen Bären in den weit entfernten Hängen des Urmir-Gebirges.

Die beiden hellen Monde Ios und Ior tauchten deutlich unter den Wolkenschleiern am Horizont hervor.

Ilor, der Dunkle, blieb wie üblich halb verborgen und mit ihnen kamen die Sterne.

Die Luft wurde merklich klarer und auch kälter, so dass Ferid fröstelnd den Umhang enger um seinen bereits stark abgewetzten Lederwams zog.

Plötzlich merkte er auf, ein großer Schatten war kurz vor der Silhouette des helleren und kleineren der zwei Monde aufgetaucht.

„Was war das, ein großer Vogel?

Doch Ferid beschlich sofort eine ungute Ahnung.

Die letzten Tage schon hatten die Gerüchte hartnäckig zugenommen.

Konnte ein Drache aus dem Urm herab gekommen sein?“

Dann sah er zu seiner weiteren Überraschung eine helles Licht, direkt dahinter aus dem Himmel fallen.

Ein göttliches Himmelsfeuer?

Es schien beinah direkt herab auf die Zinnen zu fallen.

Fasziniert beobachtete er die weiße Lichtkugel, die genauso plötzlich erlosch wie sie aufgetaucht war.

Er seufzte, was keineswegs zu seiner Überraschung, fast wie eine Art Heulen klang.

Die Nacht ist also voller Zeichen, dachte er angespannt.

Dann hörte er ein Geräusch direkt aus seiner Nähe, was ihn zurück in die Wirklichkeit brachte.

Angestrengt blickte er durch die Finsternis den Wehrgang entlang.

Da tatsächlich, der schemenhafte Schatten einer Gestalt kam langsam auf ihn zu.

„Halt, wer ist da?!“

Die Gestalt hielt abrupt inne.

Dann antwortete eine leise, weibliche Stimme:

„Lukima“.

Konnte das sein?

Ferids Herz beschleunigte etwas, seine Muskeln spannten sich an und seine Hand fand den Schwertknauf.

Die Frauengestalt, wie er nun tatsächlich erkannte, kam ganz dicht an ihn heran, so dass ihre Gesichtszüge deutlich sichtbar wurden.

Ferid holte tief Luft.

Das war eindeutig die ungewöhnlichste Frau, die er jemals kennegelernt hatte.

Unter einem unscheinbarem Umhang, trug sie ein ganz weißes, fließendes Gewandt und auch ihr langes Haar war beinah schneeweiß.

Ihr Antlitz war ebenmäßig schön aber viel zu blass für diese südlichen Gefilde, in denen sie sich befanden.

Mit von der Kälte geröteten Nase und Wangen und hell blitzenden Augen, strahlte sie ihn.

Er ahnte warum sie gekommen war und lächelte, blieb aber auf der Hut.

Dann sprach sie und ihre Stimme war melodisch, klar und deutlich:

„Wolf, ich hoffte Euch hier zu finden“

Ganz nah trat sie an ihn heran und er ließ seine Hand wie in Trance sinken.

Dann küsste sie ihn plötzlich auf den Mund und erst nach einer ihm endlos erscheinender Zeit, trat sie mit blitzenden Augen zurück.

„Ihr seit nicht nur ein Wolf,“ sagte sie nun, „ihr seit der Sohn eines Königs, Ferid von Sherat.“

Er überlegte kurz nickte dann aber zögernd.

Sie lächelte erneut und trat wieder auf ihn zu, umfasste mit ihren schlanken Händen seinen Körper und drückten ihn mit erstaunlicher Kraft an den ihren.

„Ich habe geträumt wir hätten ein Kind,“ sagte sie mit warmer Stimme.

„Es ist unsere Bestimmung.“

Ferid lachte überrascht auf, konnte aber nicht anders als ihre Liebkosungen zu erwidern, in dem er ihr zärtlich über das Haar strich.

Seine Wolfssinne wussten genau wer sie in Wahrheit war und doch war es ihm unmöglich zu widerstehen.

Selbst durch das lästige Leder hindurch, glaubte er ihre weichen Formen deutlich zu spüren und zugleich ihren heißen Drachenatem.

Der Wein vom Abendmahl trieb ihm noch zudem die Hitze in den Kopf und alle Glieder.

„Warum nicht,“ murmelte er.

Dies war wie ein wunderbarer Traum.

Er packte sie in plötzlicher Entschlossenheit an der Hand und zog sie zielstrebig hinter sich her, begleitet von ihrem leisen Lachen.

Die kleinen Wachstube wurde nicht mehr benutzt, sie würde für ihren Zweck reichen.

Schon stolperten sie in wilder Umarmung hinein und sanken auf die schmale Pritsche, die dort noch stand.

„Unser Kind wird die Hoffnung der Welt“ flüsterte sie noch in sein Ohr.

„Ja, Göttin“ hörte sich Ferid zu seiner eigenen Verblüffung antworten und er hoffte, das er nicht vorzeitig aus diesem Traum erwachen würde.

Auf die Mauern fiel der Schnee wieder dichter herab als zuvor und etwa eine Stunde später stieg ein weiß glimmender, geflügelter Schatten rasch durch die Luft der Dunkelheit der Nacht entgegen und verschmolz mit den übrigen Sternen, die scharfen glitzernden Augen eines nachdenklichen Wolfes folgten ihm.

Ein Versprechen, ist gegeben
Aber Götter versprechen viel
Sie dürfen trotzdem ewig leben
Und wir haben nur das eine Spiel.
2

Der Gott Aulon blickte auf die Drachenkönige, die vor ihm mit gesenktem Haupt standen.

Vahram hielt sich etwas im Hintergrund und die übrigen Götter blickten durch ihre Raumgläser auf den Moment herab, der das Schicksal dieser Welt wenden sollte.

Die Machtkrone lag zerschlagen vor ihm auf dem Amboss, er stützte sich auf seinen gewaltigen Hammer

und richtete seinen nacheinander auf die Gesichter dieser schönen Wesen.

Nun sprach er mit dunkler, wohltönender Stimme zu ihnen und doch wusste er,

dass sie seine Worte als unumstößliches Gesetz empfanden und das war gut so.

„Ihr seit das erste Volk, doch ihr solltet Euch diese Welt teilen, mit all jenen, die auch unsere Kinder sind und Eurer Brudervölker.“

„Wir gaben Euch größere Gestalt und Macht, als jene anderen und ihr missbrauchtet dies um die Welt und Euch Untertan zu machen.“

Niemand der Drachenfürsten wiedersprach.

„Dies ist jedoch alleine unsere Schuld.“

„Daher bestrafen wir zunächst uns selbst, denn es war unser Vergehen, Euch und alle anderen Völker nach unserem eigenen Bilde zu erschaffen. Ihr tragt daher die gleichen mit sich streitenden Eigenschaften in Euch, wie wir selbst. Zwietracht, Machtgier, Grausamkeit, Neid, Eitelkeit sind wie Liebe, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Gutmütigkeit und Verzeihung, Euerer und unserer Natur.“

Er hielt einen Moment inne.

„Wir ziehen uns daher zurück aus dieser Welt und werden nur noch über Auserwählte unter Euch die Geschicke lenken. Wir werden beobachten und lernen und ihr werdet einen gemeinsamen Weg finden müssen einander zu vertrauen. Dies ist die wichtigste Eigenschaft des Universums.“

Wieder suchte Aulon den Blickkontakt zu den Drachenfürsten und nun auch zur Gruppe der Deniqui,

die zu seiner Seite bisher ebenso ehrfürchtig gelauscht hatte.

So nannten sich, die im Drachenkrieg gegen die Drachen verbündeten fünf Könige der Elfen, Feen, Ukari, Menschen und Munir.

„Trotzdem!“

Nun, bekam die Stimme des Gottes einen bedrohlichen Unterton und er blickt erneut nur die Drachen an.

„Werdet ihr für hundert Jahre auf den dunklen Eismod Hevar verbannt. Nach dieser Zeit, dürft ihr zurückkehren,

doch ihr sollt zur Busse nur in der Gestalt, des schwächsten unter Euren Brudervölkern, in Gestalt der Menschen, Alwahr wieder betreten.“

Er lehnte sich etwas auf seinen Hammer zurück.

„Diese Busse gilt ab sofort.“

Ein drückendes Schweigen folgte auf seine Worte.

Doch dann trat Ont’c, Fürst der Schwarzen einen Schritt vor. Seine Nüstern blähten sich und seine dunklen Augen richteten sich auf den Gott.

„Wir werden kämpfen und gehen nicht freiwillig ins Exil.“

Sprach er mit fester Stimme.

Bei seinen Worten trat Imel, Herrin der Silberweißen neben ihn.

„Wir ebenfalls.“

Eine Raunen begann im Hintergrund anzuschwellen, von den niederen Göttern und Halbgöttern her.

Dies war ungeheuerlich, soviel stand fest.

Große Unruhe erfasste auch die Deniqui, sie fasten an die Machtschwerter, die sie erst kurz zuvor von Aulon überreicht bekommen hatten.

Im Knauf jeder dieser Schwerter glitzerte ein Bruchstück des zerschlagenen Machtsteines.

Die Anspannung in der Halle war greifbar.

Aulon richtete sich unterdess zur vollen Größe auf und er wuchs dabei weit über die Darchenherrscher hinaus.

Sein strenger Blick fiel nun auf Aguar, den Lord der Bronzegoldenen.

Aguar erwiederte Aulons Blick lange und das Rauen verebte unterdessen und war einer erneuten Stille gewichen, die den Atem anzuhalten schien.

Dann senkte der Goldene und mächtigste Drache sein Haupt und sprach:

„Ich unterwerfe mich Eurem Urteil, wobei sein Blick. nachdem er den Kopf wieder gehoben hatte, zu Varahm ging, der noch immer nur ein stiller Beobachter im Hintergrund war. Und ich vertraue darauf, dass es gerecht ist, auch wenn es meinen Brüdern und Schwestern jetzt nicht so erscheint.“

Zu Ont’c und Imel gewannt sagte er:

„Es ist nur Verbannung nicht Vernichtung.“

Die Augen des Schwarzen funkelten ihn wütend an.

„Du hast es doch gehört, wir werden auch unserer Kraft und Größe beraubt und müssen zurückkehren als Menschenwurm.“

Er streifte mit seinem Blick den menschlichen König.

„Das werde ich niemals akzeptieren!“

Er breitete die Flügel aus und spie Feuer in die Halle, worauf ein Aufschrei der Anwesenden folgte.

Dann wandte er sich ab und schritt zum Austieg aus der Götterhalle, die hoch in der Krone der Stropaden lag.

Er stieß sich ab und glitt in die Wolken.

Imel blickte unterdess mit finsterer Mine auf Aulon.

„Ich stimme ihm zu,“ flüsterte sie mit giftiger Stimme.

Doch da trat Vahram plötzlich vor.

Die Präsens des Höchsten, Einen nahm die Halle sofort ganz ein.

Eine unfassbare Ehrfurcht erfasste alle anwesenden und ließ sie in die Knie sinken.

Imel tat es ebenfalls, aber sehr widerstrebend.

Doch dann richtete sie sich ruckartig wieder auf und öffnete ebenfalls ihre Schwingen, ihre Augen funkelten voll trotziger Entschlossenheit.

Varahm sagte noch immer kein Wort.

Imel wandte sich um und bewegte sich auf Ont’c Spuren zum Bergtor. Dort glitt sie ebenfalls in den Himmel.

Ein Aufatmen ging durch die Versammlung.

Doch sogleich kippte dies in betroffenes Entsetzen, also Varahm nun zu Aguar sprach:

„Geh auch Du und töte sie.“

Der Goldene nickte langsam und sagte dann:

„Ich tu es, doch es wird unser letztes Götteropfer sein.“

Er und Gerist, der blaue Sturmdrache, die Grüne Drachenfschlange Domille und der kupferrote Feuerworm Ferics,

folgten ihm.

Die Deniqui erhoben sich ebenfalls.

Der Elfenfürst Midias trat vor Vahram.

„Herr ihr gabt uns die Waffen um den Kampf zu entscheiden, so wird es kommen.“

Varahm nickte unmerklich und antwortete:

„Ja, es ist entschieden, geht mir aus den Augen. Denn ich sehe auch in Euren Herzen keinen Wunsch nach Frieden. Aber ihr werdet nur hundert Jahre Zeit bekommen ihn zu finden.“

Die Deniqui wendeten sich hastig um und liefen zu ihren Reittieren.

Die letzte Schlacht war nun unvermeidlich.

________________________________________________________________________________

1 Aus den „Klingenden Tiraden“ von Zilat dem Flöter.

2 Spottlied auf die Götter, unbekannter Barde des 2. Zeitalters

DAS GÖTTERGERICHT

Ein Versprechen, ist gegeben
Aber Götter versprechen viel
Sie dürfen trotzdem ewig leben
Und wir haben nur das eine Spiel. 1

Der Gott Aulon blickte auf die Drachenkönige, die vor ihm mit gesenktem Haupt standen.

Vahram hielt sich etwas im Hintergrund und die übrigen Götter blickten durch ihre Raumgläser auf den Moment herab, der das Schicksal dieser Welt wenden sollte.

Die Machtkrone lag zerschlagen vor ihm auf dem Amboss, er stützte sich auf seinen gewaltigen Hammer

und richtete seinen nacheinander auf die Gesichter dieser schönen Wesen.

Nun sprach er mit dunkler, wohltönender Stimme zu ihnen und doch wusste er,

dass sie seine Worte als unumstößliches Gesetz empfanden und das war gut so.

„Ihr seit das erste Volk, doch ihr solltet Euch diese Welt teilen, mit all jenen, die auch unsere Kinder sind und Eurer Brudervölker.“

„Wir gaben Euch größere Gestalt und Macht, als jene anderen und ihr missbrauchtet dies um die Welt und Euch Untertan zu machen.“

Niemand der Drachenfürsten wiedersprach.

„Dies ist jedoch alleine unsere Schuld.“

„Daher bestrafen wir zunächst uns selbst, denn es war unser Vergehen, Euch und alle anderen Völker nach unserem eigenen Bilde zu erschaffen. Ihr tragt daher die gleichen mit sich streitenden Eigenschaften in Euch, wie wir selbst. Zwietracht, Machtgier, Grausamkeit, Neid, Eitelkeit sind wie Liebe, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Gutmütigkeit und Verzeihung, Euerer und unserer Natur.“

Er hielt einen Moment inne.

„Wir ziehen uns daher zurück aus dieser Welt und werden nur noch über Auserwählte unter Euch die Geschicke lenken. Wir werden beobachten und lernen und ihr werdet einen gemeinsamen Weg finden müssen einander zu vertrauen. Dies ist die wichtigste Eigenschaft des Universums.“

Wieder suchte Aulon den Blickkontakt zu den Drachenfürsten und nun auch zur Gruppe der Deniqui,

die zu seiner Seite bisher ebenso ehrfürchtig gelauscht hatte.

So nannten sich, die im Drachenkrieg gegen die Drachen verbündeten fünf Könige der Elfen, Feen, Ukari, Menschen und Munir.

„Trotzdem!“

Nun, bekam die Stimme des Gottes einen bedrohlichen Unterton und er blickt erneut nur die Drachen an.

„Werdet ihr für hundert Jahre auf den dunklen Eismod Hevar verbannt. Nach dieser Zeit, dürft ihr zurückkehren,

doch ihr sollt zur Busse nur in der Gestalt, des schwächsten unter Euren Brudervölkern, in Gestalt der Menschen, Alwahr wieder betreten.“

Er lehnte sich etwas auf seinen Hammer zurück.

„Diese Busse gilt ab sofort.“

Ein drückendes Schweigen folgte auf seine Worte.

Doch dann trat Ont’c, Fürst der Schwarzen einen Schritt vor. Seine Nüstern blähten sich und seine dunklen Augen richteten sich auf den Gott.

„Wir werden kämpfen und gehen nicht freiwillig ins Exil.“

Sprach er mit fester Stimme.

Bei seinen Worten trat Imel, Herrin der Silberweißen neben ihn.

„Wir ebenfalls.“

Eine Raunen begann im Hintergrund anzuschwellen, von den niederen Göttern und Halbgöttern her.

Dies war ungeheuerlich, soviel stand fest.

Große Unruhe erfasste auch die Deniqui, sie fasten an die Machtschwerter, die sie erst kurz zuvor von Aulon überreicht bekommen hatten.

Im Knauf jeder dieser Schwerter glitzerte ein Bruchstück des zerschlagenen Machtsteines.

Die Anspannung in der Halle war greifbar.

Aulon richtete sich unterdess zur vollen Größe auf und er wuchs dabei weit über die Darchenherrscher hinaus.

Sein strenger Blick fiel nun auf Aguar, den Lord der Bronzegoldenen.

Aguar erwiederte Aulons Blick lange und das Rauen verebte unterdessen und war einer erneuten Stille gewichen, die den Atem anzuhalten schien.

Dann senkte der Goldene und mächtigste Drache sein Haupt und sprach:

„Ich unterwerfe mich Eurem Urteil, wobei sein Blick. nachdem er den Kopf wieder gehoben hatte, zu Varahm ging, der noch immer nur ein stiller Beobachter im Hintergrund war. Und ich vertraue darauf, dass es gerecht ist, auch wenn es meinen Brüdern und Schwestern jetzt nicht so erscheint.“

Zu Ont’c und Imel gewannt sagte er:

„Es ist nur Verbannung nicht Vernichtung.“

Die Augen des Schwarzen funkelten ihn wütend an.

„Du hast es doch gehört, wir werden auch unserer Kraft und Größe beraubt und müssen zurückkehren als Menschenwurm.“

Er streifte mit seinem Blick den menschlichen König.

„Das werde ich niemals akzeptieren!“

Er breitete die Flügel aus und spie Feuer in die Halle, worauf ein Aufschrei der Anwesenden folgte.

Dann wandte er sich ab und schritt zum Austieg aus der Götterhalle, die hoch in der Krone der Stropaden lag.

Er stieß sich ab und glitt in die Wolken.

Imel blickte unterdess mit finsterer Mine auf Aulon.

„Ich stimme ihm zu,“ flüsterte sie mit giftiger Stimme.

Doch da trat Vahram plötzlich vor.

Die Präsens des Höchsten, Einen nahm die Halle sofort ganz ein.

Eine unfassbare Ehrfurcht erfasste alle anwesenden und ließ sie in die Knie sinken.

Imel tat es ebenfalls, aber sehr widerstrebend.

Doch dann richtete sie sich ruckartig wieder auf und öffnete ebenfalls ihre Schwingen, ihre Augen funkelten voll trotziger Entschlossenheit.

Varahm sagte noch immer kein Wort.

Imel wandte sich um und bewegte sich auf Ont’c Spuren zum Bergtor. Dort glitt sie ebenfalls in den Himmel.

Ein Aufatmen ging durch die Versammlung.

Doch sogleich kippte dies in betroffenes Entsetzen, also Varahm nun zu Aguar sprach:

„Geh auch Du und töte sie.“

Der Goldene nickte langsam und sagte dann:

„Ich tu es, doch es wird unser letztes Götteropfer sein.“

Er und Gerist, der blaue Sturmdrache, die Grüne Drachenfschlange Domille und der kupferrote Feuerworm Ferics,

folgten ihm.

Die Deniqui erhoben sich ebenfalls.

Der Elfenfürst Midias trat vor Vahram.

„Herr ihr gabt uns die Waffen um den Kampf zu entscheiden, so wird es kommen.“

Varahm nickte unmerklich und antwortete:

„Ja, es ist entschieden, geht mir aus den Augen. Denn ich sehe auch in Euren Herzen keinen Wunsch nach Frieden. Aber ihr werdet nur hundert Jahre Zeit bekommen ihn zu finden.“

Die Deniqui wendeten sich hastig um und liefen zu ihren Reittieren.

Die letzte Schlacht war nun unvermeidlich.

1 Spottlied auf die Götter, unbekannter Barde des 2.Zeitalters

DIE AUFGABE

…und es wuchsen ihnen Schwingen
sich zu schwingen,
über die dichten Nebel hinauf zum Licht
Der Bote der zeit, trieb sie vorann,
doch ohne das Ziel zu benennen. 1

Hirazion stapfte immer entschlossener vorann, im ausgefahrenen Schlamm der breiten Handeslsstraße, welche am linken Ufer des Djnn, schnurgerade auf das Delta zuführte.

Er schien trotz seiner Faunhufe und seines schon beträchtlichen Alters, unermüdlich und im Tempo nicht nachlassen zu wollen. Während Sitar und Gelyioc hinter her stolperten.

1 Galmik, Chronist von Worlen in seiner Chronik des letzten Königreichs.

DIE MITTE DER MACHT

Im Tempel des Bösen
Die Worte der Macht
Doch in dieser Finsterniss
Wurde nicht gelacht…
Ein magischer Fehler! 1

Die Stadt lag unter ihnen ausgebreitet wie eine riesige bunte Krake, mit einem weit verzweigten Netzt von Straßen und Kanälen, den großen Gebetstürmen am Stadtrand, den breiten Paradealleen und vereinzelten Parks.

Mehrer gewaltige Bauwerke ragten wie wuchtige Pranger der Macht und Größe zum Himmel empohr.

Coceon war das Zentrum von Dionels neuem Reich und auch nach Elthors Tod der Mittelpunkt ihrer Macht.

Vorallem weil nun dunkle Schatten über der Stadt schwebten, landetet und aufstiegen in wie es den Eindruck hatte, unendlicher Zahl.

1 Erkenntnis aus dem schwarzen Buch von Mekollas dem Fliegenden

KAPITEL 1:

HAMFAST vom STEIN

Kleine Leute werden übersehen
Wenn sie hinter großen Leuten stehen
Doch wenn große Leute über kleine Leute fallen
Nützt das allen.

Kleine Schwerter werden unterschätzt
Wenn sie durch die Reihen tanzen
Doch wenn große Leute große Ziele sind
Bluten sie bestimmt.

Kleine Könige haben kleine Reiche
Wenn sie wachsen, merkt das keiner schnell
Doch wenn große Könige fallen
Sind sie große Leichen. 1

Langsam schritt Varo, der sich in dieser Gegend als Hamfast vom Stein bezeichnete, über den aufgeweichten Waldboden des schmalen Pfades, der sich gemächlich den Hügel hinauf wandt. Es regnete so heftig, das ihm sein alter Umhang nur sporadisch Schutz gegen die immer stärker zunehmende Wassserflut vom Himmel. Er fluchte auf dei verschwundenen Götter und hoffte bald endlich ein Gasthaus oder zumindest einen Unterstand zu finden.

Leider kannte er sich in der Ostmark des Reiches nicht sehr gut aus und daher war er als Wegfinder nur unwesentlich mehr geeignet als seine Begleiter. Doch wer sollte es sonst tun. Sie konnten nicht die großen Straßen benutzen.

Da würden sie die Drachen finden!

1 Nur drei ausgewählte Strophen aus der bitter fröhliche Ballade der „Legion tanzender Tewir“

KAPITEL 2:

THROGAR

Ein alternder Prinz,
wir lieben ihn
Wer soll das sein,
wir wollen ihn freien
Doch die Welt ist voller Ungereim
und gemein.

Alles ist nur Legende
Wir heben trotzdem die Hände
Solange die Wahrheit nicht
vor unserer Tür steht
Ist es nicht zu spät,
wenn unser Prinz uns fände. 1

Ferid drängte sich mit knurrendem magen, durch die mittagliche Menschenmenge der Handeslmetropole Throgar.

Am frühen Morgen hatte er Betrak Et’Volant abgepasst, der von seinem nächtlichen Rundgang durch mehrere Schenken der Stadt zurückgekehrt war. Als Ferid aus dem Schatten seines Hauses auf ih zutrat, war er zunächst erschrocken zurückgewichen, doch dann hatte der Adrohner seine Kaputze herab gezogen und Betrak hatte ihn erkannt, obwohl ihre letzte Begegnun schon so lange zurück lag.

Ein Blick in die sorgenvollen Augen seines Gegenübers, hatte ihn schlagartig ernüchtert.

„Es ist ernst.“ Murmelte er und ließ Ferid dann in sein Haus eintreten.

1 Einleitung des Märchens vom alternden Prinzen.

KAPITEL 3:

DAS URM

… ein Hauch der Zeit
vom Eis befreit
hallt durch die Welt
wie ein Signal
durch Berg und Tal
trägt es der Wind
erzählt der Nacht von diesem Kind. 1

Als er noch ein junger Mann war, wanderte Ulan häufig in den Vorbergen des Urm herum, auf der Suche nach der Offenbarung des Göttlichen. Er war ein einfacher Drachenpriester und verbrachte manchmal Tage und Wochen in der Einsamkeit der Natur, versunken in Meditation und Andacht. Wenn er wirklich einmal einen Drachen sah, so meist nur aus großer Entfernung. Andere Tiere der Berghänge hingegen sah er häufiger und musste sich auch schon mal seiner Haut erwehren oder freundete sich mit den Friedlichen unter ihnen an.

An diesem Tag jedoch sollte er eine Begegnung haben, die sein Leben verändern würde. Er saß wie so oft, seit einigen Stunden in Konzentration vertieft auf einem Felsvorsprung und gab sich ganz seinen inneren Visionen hin. Da vernahm er plötzlich den markerschütternden Schrei eines Kindes.

Zunächst glaubte er noch dies sei Teil seines Tagtraumes oder eine überkippende Vogelstimme, doch der Laut wiederholte sich und war zu eindringlich um ignoriert zu werden.

Er schaute sich gerade suchend um, da glitten plötzlich zwei riesige Schatten über ihn hinweg und erschrocken blickte er zum Himmel auf.

Dort sah er jetzt zu seinem Entsetzen, zwei schlanke geflügelte Gestalten, die sich mit rasender Geschwindigkeit durch die unter und über ihm befindenden Bergschluchten zu verfolgen schienen. Es waren Drachen ganz eindeutig.

Heisere, Furcht einflößende Schreie entstiegen dabei ihren schuppigen Kehlen. Rasch sprang Ulan auf. Er war unbewaffnet, was sollte er tun, wo sollte er hin? Doch im nächsten Moment wurde ihm klar, dass die Drachen ihn wohl kaum bemerkt hatten, sondern nur ganz aufeinander fixiert waren. Er verharrte also wo er war und so konnte er nun weiter fasziniert beobachten, wie ihre gewaltigen Leiber im Flug aufeinander trafen und sie sich mit Klauen und ihren zahnbewehrten Rachen heftig bekämpften.

Es war eindeutig ein Kampf auf Leben und Tod, zwischen einem kleineren weißen Drachen und einem gewaltigen grünen Wurm, wie er ihn noch nie zuvor gesehen hatte.

Ulan verfolgte das Geschehen wie gebannt, da drangen die Kindesschreie zurück in sein Bewusstsein. Da waren sie noch immer, es war keine Einbildung.

Woher kamen sie? Er versuchte die Richtung zu orten. Der schmale Stieg, dem er zum ersten mal auf diesen Sims gefolgt war, ging, er erkannte es nun, offenbar von hier noch etwas am Hang hinab abwärts. Von dort unten schien die Stimme des weinenden Kindes zu kommen. Aber von dort waren auch die Drachen aufgestiegen.

Er tastete sich vorsichtig voran, dabei immer einen ängstlichen Blick für das Schauspiel der kämpfenden Drachen, die mehr als einmal wieder kreischen und gefährlich nah zur Felswand kamen.

Der Stieg führte einige Meter am Berghang hinab und wurde dann zu einer breiten Terrasse, die über dem gähnenden Abgrund hing.

Hinter dieser erkannte er zu seinem Erstaunen nun einen gewaltigen Höhleneingang. Als er ihn erreicht hatte blickte er vorsichtig hinein. Die Kindesstimme erklang nun ganz eindeutig daraus hervor. Er ging hinein und blieb bereits nach wenigen Schritten ehrfürchtig stehen. Es war ein Drachenhort, und dort auf einem Nest aus Stroh und einer undefinierbaren Maße an Wertgegenständen, lag ein menschlicher Säugling. Gerade wollte Ulan darauf zugehen, als ihn ein gewaltiger Aufprall gegen den Berg und eine Hitzewallung von den Beinen riss. Benommen schüttelte er sich und sah erschrocken wie die Drachen nun direkt vor dem Eingang kämpften, Feuer spieen und lautes Schmerzens- oder Wutgeschrei von sich gaben. Dann stürzten sie erneut ineinander verkeilt wieder über die Klippe.

Was sollte er tun? War dies eine göttliche Fügung?

Er musste es glauben. Dieses Kind zu retten, musste ihn Aposg, der Eine ausersehen haben. Was auch immer der Kampf der Drachen bedeutete, er war seine Chance das Kind an sich zu nehmen und er hatte das untrügliche Gefühl hier einer Bestimmung nach zu gehen, die ihm bisher verborgen gewesen war.

Er rappelte sich also auf und war mit raschen Schritten am Lager des Kindes, nahm es auf den Arm und drückte es beruhigend an sich. Schon nach einer kurzen Zeit hörte es auf zu weinen. Schnell wollte er nun zurück zum Höhleneingang, doch sofort fiel ihm auf, dass alle Kampfgeräusche verstummt waren. Er merkte wie ihm die Angst die Haare im Nacken aufstellte und langsam kalt an seinen Beinen hoch kroch.

Da vernahm er plötzlich wieder lauten Flügelschlag und der weiße Drachen landete wie aus dem Nichts auf der Felsterrasse. Ulan versuchte seine Angst zu zügeln, doch sein Kehle war so trocken wie die Wüste und seine Beine wollten unbedingt unter ihm nachgeben. Das große Geschöpf blickte ihn einen Moment aus traurigen Augen an und im selben Augenblick verwandelte es sich vor ihm in eine junge Frau, die jedoch sofort zu Boden sank. Ihre hellen wunderschönen Augen waren die gleichen des Drachen und nun sah er in ihnen die Erschöpfung des nahen Todes. Ihr Körper zitterte vor Anstrengung und ihr Kleid war von Blut getränkt.

„Gut das du gekommen bist,“ flüsterte sie, „noch einmal konnte ich den großen Wurm vertreiben, doch die Horden des Ont’c werden immer wieder kehren, jetzt wo sie mich einmal gefunden haben.“

Ulan blickte sie fasziniert und sprachlos an und bemerkte das er den Säugling beinah erdrückte so stark hatten sich seine Arme um ihn verkrampft. Doch das Kind verhielt sich ungewöhnlich still, als ahne es die ungeheuerer Bedeutung des Augenblicks. Er zwang sich die Muskeln zu lockern und ihm fiel ein, dass er sprechen konnte. „Wer… wer bist du?“ Stammelte er endlich.

„Lukima“, antwortete sie mit müder, fast gebrochener Stimme. „Es ist gut, das du gekommen bist. Du musst ihn fort bringen, du musst ihn retten“ fügte sie hinzu und wies auf das Kind in seinem Arm. „Er ist es, den sie eigentlich töten wollen. In meiner Obhut ist er nicht mehr sicher.“ Er sah wie ihr Tränen über die rußigen Wangen liefen. „Aber…,wie soll gerade ich ihn schützen?“, stammelte er. „Kein aber, geh und nimm meinen Sohn, mit dir. Zieh ihn auf und halte seine wahre Herkunft verborgen, auch vor ihm selbst. Sein Schicksal wird ihn finden, zu seiner Zeit.“ Keuchte sie. „Rasch, du musst dich beeilen. Wenn sie jetzt zurück kommen, kann ich uns nicht mehr verteidigen.“

Ulan zögerte, doch er war sich der Kraft ihrer Forderung bewusst. Er musste es tun, es war seine Aufgabe in diesem Leben, es war Aposg Wille. Es musste so sein. Er riss sich aus den Gedanken und wollte an ihr vorüber hinaus auf den Sims. Dann hielt er noch einmal inne. „Was ist mit dir?“ Sie lächelte schwach. „Wenn es meine Bestimmung ist,“ sagte sie, „so werde ich sterben. Aber mein Kind soll leben, also geh.“

Ihre Augen blickten ihn flehend an. Er wandte sich um und stolperte so schnell er konnte mit dem Kind im Arm den Sims hoch und von dort den Bergpfad hinab ins Tal.

1 Aus dem Draomedon, Epos des Dichters Lipollit der Jüngere 300 n.A.

KAPITEL 4:

DER WETTSTREIT

… weit, weit über das Meer
tief, tief fällt er hinab
hoch, hoch wächst er den Göttern entgegen
in seinem Schweben.

…sein Feuer brennt
sein Eis ist kalt
er kennt kein Leben
er hasst das Licht und meidet den Wald. 1

Alaanc hatte schon viel gesehen, doch was ihm sich hier auf der Lichtung darbot, war alles andere als ein schöner Anblick.

Er musste sich zuallererst im nächsten Gebüsch übergeben, erst dann konnte er die Leichen, von denen doch ein sehr unangenehmer Gestank aufstieg, mit zugehaltener Nase näher untersuchen.

Es waren Trollpfeile, die in bedrohlich Vielzahl aus den Körpern der Verstorbenen ragten. Ein solches Gemetzel hatte sicherlich schon seit vielen Jahren nicht mehr in dieser Nähe einer menschlichen Siedlung stattgefunden. Jedenfalls konnte Alaanc sich nicht daran erinnern, davon gehört zu haben.

Was sollte er tun? Zurück nach Drakon Fohr und den Vorfall melden? Dort kam er gerade her und hatte es eigentlich eilig nach Harfis zu gelangen, wo er hoffte endlich einen Tempel der Aposger zu finden.

Er hatte befürchtet, dass es vielleicht einige Schwierigkeiten auf seiner Reise geben würde, aber solche?

Während er sich von seiner Übelkeit erholte, ging er angewidert näher an den Ort des Geschehens heran und stöberte in den Überresten der Ausrüstungsgegenständen herum, die um die Leichen und Fuhrwagen verstreut lagen. Die Trolle, wenn es solche waren, hatten offensichtlich alle Gegenstände von Wert an sich genommen und den Rest mutwillig zerstört. Er sah zerbrochene Tonkrüge und Teller, sowie zerrissene Säcke und Körbe. Der Zustand der Leichen ließ darauf schließen, dass alles immerhin ein, zwei Stunde her war, darum glaubte Alaanc nicht, dass sich die Räuber noch in der Nähe befanden. Trotzdem beschlich ihn ein Frösteln und er blickte sich misstrauisch auf der Lichtung um. Es war schon sehr merkwürdig, dass er offenbar als erstes am Ort des Geschehens war, obwohl die Handelsstraße hier an der Küste des großen Drachenwassers nicht gerade wenig benutzt wurde. Gut, er war ungewöhnlich früh aufgebrochen, und darum hatte er also das Pech oder war es Glück?, das Geschehen als Erster vorzufinden.

Der Morgendunst stieg zwischen den Bäumen auf und hüllte den Ort in ein gespenstisches Licht. Plötzlich viel ihm auf, dass der im am nächsten liegende Tote offenbar die Faust um etwas geschlossen hatte, was zwischen seinen Fingern zu glitzern schien. „Hatten die Räuber hier etwas übersehen?“. Er bückte sich und musste die steifen Finger brechen um an das Artefakt zu gelangen. Tatsächlich, es war ein kleines silbernes Amulett mit einem wunderbar glitzernden blauen Stein. Eine elfische Schrift die in ungewöhnlichen Schnörkeln sich im Kreis um den Stein wand, las er: „Argondi thewos et feeludar“ Er überlegte kurz, doch die Worte entstammten keinem Kwendi-Dialekt den er kannte, aber natürlich war er darin ohnehin nicht sehr bewandert.

Immerhin fand er es hübsch anzuschauen und betrachtete dessen vormaligen Besitzer nun genauer. Der schien einfach ein halbelfischer Händler gewesen zu sein und die Karawane kam ja offenbar aus Harfis oder Nekuhl, den beiden am weitesten östlich gelegenen Städten des Fürstentums die das Ziel der meisten Händler auf dieser Straße waren. Dort so hörte man, gab es auf den Märkten die fremdartigsten Waren und wundersamsten Gegenstände. Vielleicht konnten er es also dort auch zu Gold machen.

Erfreut über diesen neuen Gedanken, band er sich das Amulett um den Hals und schob es unter sein Hemd. Als er es auf der Brust spürte, hatte er jedoch kurz das Gefühl als ob ihm ein warmer seltsamer Schauer über den Rücken lief. „Vielleicht war es sogar magisch?“, dachte er. Er blickte zur Sonne, die sich ihren Weg durch den Morgenschleier bahnte. „Wirklich kein schlechter Fund“, dachte er. Seine Laune besserte sich merklich. „Nur merkwürdig, das die Räuber es nicht gefunden hatten, aber vielleicht war das Artefakt selbst in der Lage sich auf magische Weise verborgen zu halten. Er hatte von solchen Eigenschaften gehört. Er selbst hatte auch ein Gefühl für magische Gegenstände, das hatte er schon früh als Kind entdeckt. Sein Vater Ulan hatte darüber nur gelächelt und gesagt, was er immer sagte. „Du bist ein Kind des Aposg.“ Er überlegte. „Ob er vielleicht noch die Taschen der anderen Toten untersuchen sollte?“

Plötzlich schreckte er hoch. Er hörte Stimmen und im nächsten Moment auch das sich Nähern von Hufschlag zahlreicher Reittiere. Hastig sah er sich um und instinktiv sprang er vom Weg ins Gebüsch. Gerade rechtzeitig wie sich herausstellte, denn nun bog eine Gruppe schwer bewaffneter Reiter um die Kurve der Strasse, ebenfalls aus der Richtung von Drakon Fohr.

In der etwa zwanzig Ritter umfassenden Schar stießen einige, laute Befehle, eigentlich keine Überraschungsrufe, aus und alle zügelten ihre Tiere. Eine Gruppe von vier oder fünf der Reiter sprangen ab und begannen offenbar zielstrebig den Ort des Geschehens zu untersuchen, genauso wie es Alaanc getan hatte, doch hatte dieser das merkwürdige Gefühl, als kannten sie sich aus, als wären sie vielleicht schon mal hier gewesen. Er wusste nicht genau warum er sich verborgen hielt, denn sie sahen nicht wie Räuber aus, allerdings wirkten sie sehr aufgeregt und wütend. Er hatte keine große Lust auf Erklärungen und außerdem, ja da war noch etwas, erst jetzt wurde er sich dieses Gefühls bewusst, es kam,… ja tatsächlich es schien durch das Amulett zu kommen, glaubte er, zu seiner eigenen Verwunderung. Er hatte das eindeutige Gefühl als wollte es nicht entdeckt werden. War also seine Vermutung richtig gewesen?

Plötzlich beobachtete er wie einer der Ritter seinem Versteck bedrohlich nah kam. Es schien unvermeidlich, er musste ihn jeden Moment sehen.

„Wenn er ihn nur irgendwie ablenken könnte“, dachte Alaanc ziemlich hilflos. „Schau in die andere Richtung, hier ist Nichts“, murmelte er im Gedanken. Er sah den Mann nun ganz dicht neben seinem Gebüsch stehen, er konnte den säuerlichen Geruch seines Schweißes schon riechen. Die Augen des Mannes blickten nun genau in seine Richtung und Alaanc fasste seinen Dolch den er leise gezogen hatte mit beiden Händen. Nicht dass er glaubte es hier mit einem Kampf versuchen zu können, aber weg laufen war auch nicht mehr möglich.

Plötzlich wandte sich der Kopf den Mannes ab und er stapfte in die die andere Richtung davon. Dabei rief er seinen Kameraden zu: „Hier ist nichts!“

Erleichtert ließ Alaanc die Luft zwischen den Zähnen heraus. Was für ein Glück, dachte er, schon hatte er geglaubt, sein letztes Stündlein habe geschlagen.

Beinah hatte es den Anschein gehabt, aber das konnte ja unmöglich sein, als ob er dem Ritter eingeflüstert habe, er solle seine Aufmerksamkeit abwenden oder durch ihn hindurchsehen.

Alaanc dachte im Moment nicht weiter über diese Phänomen nach, sondern beobachtete nun mit noch immer aufgeregtem Herzschlag, aber mit einiger Erleichterung, dass die geheimnisvollen Ritter wieder ihre Pferde bestiegen und im Galopp rasch in jene Richtung abzogen aus der sie gekommen waren. „Seltsam“, dachte er, „sie wirkten irgendwie schrecklich enttäuscht.“

Er wartete noch ein kurze Weile, dann kam er aus dem Gebüsch hervor. Schnell sah er sich um. Hatten sie noch etwas von Wert zurück gelassen? Wenn es Ritter des Fürstentums gewesen waren, aber Alaanc hatte keine Hoheitszeichen entdecken können, hatten sie sich doch sehr ungewöhnlich verhalten.

Die Entscheidung, sich zu verstecken, war vermutlich richtig gewesen und jetzt sollte er sich lieber rasch auf machen, bevor sie vielleicht zurück kamen, oder jemand anderes auftauchte und ihn hier entdeckte. Doch irgendetwas in seinem Kopf flüsterte, er solle sich noch einmal umschauen. „Warum, hier ist doch nichts? Sagte er misslaunig zu sich selbst. „Führte er neuerdings auch noch Selbstgespräche?“

Aber, „was konnte es schaden“ er wanderte noch einmal suchend zwischen den Leichen und Trümmern umher. Dann hielt er inne und schüttelte verwirrt den Kopf. „Nein, wonach suchte er überhaupt?“ Plötzlich kam ihm das Bild einer Waffe in den Kopf. „Brauchte er eine Waffe?“ Er hatte seinen Dolch, mehr brauchte er nicht als angehender Drachenpriester, es war ihm sogar verboten, denn sein Gott verlangte, das jeder Konflikt friedlich gelöst werden sollte?“ Er wollte also sein unsinniges Verhalten gerade abbrechen, da sah er im Gras unter dem umgestürzten Wagen des selben Händlers mit dem Amulett, etwas weiteres metallisch glitzern. Er schaute genau hin. Tatsächlich dort lag in einer verschlissenen braunen Lederscheide eine Waffe, ein Schwert. Er ging hin und hob es auf. Dann betrachtete er es genauer. „Das hatten die Trolle wohl ebenfalls übersehen“, dachte er erstaunt. Aber vielleicht hatten sie es auch achtlos liegen gelassen, es war schließlich offenbar nur ein einfaches altes Schwert.“ Er hob es auf und musterte die Befestigungsriemen kritisch. Sie waren intakt. Er schnallte es um und zog es dabei an dem schmucklosen Heft heraus. Überrascht stellte er fest, dass es trotz seiner Größe ganz leicht war. Die Klinge war zudem keineswegs schmucklos, eine feine hauchzarte Schrift bedeckte sie und Alaanc war fast sicher, dass es sich um die gleiche Schrift handeln musste, die auch auf dem Amulett stand: „Lorgin tehwos lungor warin femurak“, las er sich laut vor. „Was mochte das wohl bedeuten?“

Erfreut über diesen bereits zweiten Fund am heutigen Tag, steckte er es zurück in die Scheide und begann ein altes Lied seiner Heimat zu singen:

Auf meinem Weg zum Glück
Lauf ich ein Stück zu dir
Find ich was ich suche
Schwinge mich hinauf
und lasse den Träume der Liebe ihren Lauf.

Ich überbringe dir den Liebesapfel
und hoffe das du mit mir singst
Ein Lied das uns zusammen bringt
Den Tanz des Glücks
Auf ewiglich.

„Es musste einfach sein Glückstag heute sein“, dachte er. Doch dann rief er sich rasch zur Ordnung. Die Sonne stand nun deutlich vor dem blauem Himmel und der Tag war noch lang, der Weg weit. Statt sich weiter wie ein einfältiger Bursche zu benehmen, beschloss er nun endlich entschlossen weiter zu gehen, damit er wenigstens Harfis noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen konnte.

Als Alaanc in die Stadt kam, war er vor Erschöpfung schon sehr niedergeschlagen, doch froh es geschafft zu haben. Trotz der vorgeschrittenen Stunde, war das Tor nach Westen noch weit geöffnet und die Kulisse der Seestadt vor dem Abendrot hell erleuchtet. Bunte Lichter stiegen zu seiner Faszination über den Dächern auf und nieder und man hörte lautes Knallen und Zischen, das von den Lichtschleudern stammen musste, von denen seine alte Amme ihm einmal erzählt hatte. Die Straße zur Stadt war bereits seit einigen Stunden sehr belebt gewesen und er hatte eine Menge seltsame Leute gesehen, die ganz unterschiedlichen Völkern und Rassen angehörten oder auch Halbmenschen waren.

Als einzelner junger Wanderer war er hier und da auch mal von anderen Einzelgängern angesprochen worden und hatte diesen und jenen Plausch gehalten. Sein neues Schwert und das Amulett hielt er möglichst verborgen und hütete sich die Geschichte mit den toten Händlern zu erwähnen. In einer Raststätte wenige Stunden vor der Stadt, die auf einer ins Meer ragenden Klippe gebaut war und den bezeichnenden Namen „Zum letzten Sprung“ trug, hatte er dann Gerüchte gehört von marodierenden Trollbanden und mit Händlern gesprochen, die sich auch vor einer merkwürdigen Horde von „Geisterreitern“ fürchteten, die ihr Unwesen in der Provinz zu treiben schienen. Schließlich hatte er es gewagt beim Wirt vorsichtig nach einer Händlerkarawane zu erkundigen, die er einigermaßen beschreiben konnte. Aber es konnte sich niemand an sie erinnern.

Kurz vor der Stadt schloss er sich einer Gruppe von anderen jungen Männern an, die wie er vor allem wegen des großen Wettkampfes während Festes der Drachenschiffe wollten und aus allen Gegenden der sieben Fürstentümer von Anir kamen.

Mit einem von ihnen, sein Name war Tarim, freundete er sich schnell an und als sie gemeinsam die Stadt erreichten, entschlossen sie sich zusammen zu bleiben. Sie waren vor allem hungrig und müde, doch die glühenden Laternen, die flatternden Wimpel und großen Hafenfeuer hatten eine ungeahnte Faszination und zogen sie wie magisch mitten in den Trubel der brodelnden Festlichkeiten.

Am gesamten Hafendock der Stadt war eine lange Reihe von Buden aufgebaut, die mit leckeren Gerüchen, wundersamen Gegenständen oder besonderen Darbietungen lockten. Die gewaltigen Drachenschiffe dahinter am Dock aber waren die eigentliche Attraktion für sie und alle Neuankömmlinge in der Stadt, von denen es offenbar viele gab.

Tarim und Alaanc gingen wie zwei große Kinder, die sie ja auch waren, von Schiff zu Schiff, berauscht vom Glanz der Lichter und von den vielen neuen Dingen die sie sahen und der unglaublichen Vielfalt der Leute um sie herum. Es gab auch unvorstellbar viele Bettler. Sie saßen im Staub am Straßenrand mit einer kaum fassbaren Geduld oder aber mit unermüdlichem Drang die Passanten für ihre scheinbare Not zu erweichen. Alaanc blieb plötzlich stehen und beobachtete, wie sich ein zerlumpter Kerl mit einem Holzbein einem dicken Krämer in den Weg stellte. Dieser wollte, wie es die meisten taten, den Bettler links liegen lassen, doch der Einbeinige ließ sich nicht so leicht abschütteln, sondern hielt erstaunlich behände mit ihm Schritt. Alaanc und Tarim beobachteten beide fasziniert die Szene. Der Krämer fluchte nun und gab mit einem ärgerlichen Grunzen, dem Bettler einen heftigen Stoß in die Rippen. Der verlor die Balance und fiel in eine stinkende Wasserlache in der er unglücklich aufschauend sitzen blieb. Alaancs Miene verfinsterte sich, denn der Bettler tat ihm in diesem Moment doch sehr leid.

Der Krämer hingegen lachte nun aus vollem Hals und mit ihm eine plötzlich erklägliche Zahl schadenfroher Schaulustiger. „Du solltest ihm deinen ganzen Geldbeutel schenken, das wäre eine gute Tat,“ dachte Alaanc. Da griff der Krämer im selben Augenblick an seinen Gürtel, fasste seinen Geldbeutel und warf ihn dem Bettler in den Schoß. „Und jetzt geh deiner Wege.“ Dachte Alaanc der trotzdem ebenso verblüfft war wie alle anderen, über das was geschah. Die ganze letzte Zeit über hatte er nicht mehr an den Vorfall am Morgen gedacht und auch nicht an das Amulett. Doch jetzt, in diesem Augenblick war ihm ganz klar, welche Macht es ihm verlieh. Er spürt deutlich, wie sein Wille in den Kopf des Krämer eindrang und ihn zu dem zwang was er dann tat. Er warf einen prüfenden Blick zu Tarim hinüber, der jedoch nur mit offenem Mund und ähnlich irritiert wie die anderen Zuschauer das Schauspiel verfolgte. Alaanc zog ihn rasch mit sich fort. „Hast du das gesehen?“ Stammelte Tarim. „Das war ja unglaublich.“ Alaanc nickte stumm und spürte nun da sie etwas schneller gingen um so mehr seine Müdigkeit. „Wir sollten uns eine Unterkunft suchen,“ sagte er, „das Fest läuft uns nicht weg.“

Tarim erklärte sich einverstanden doch die Sache war, wie sich herausstellte, zumindest für ihre Verhältnisse nicht ganz so einfach, denn die Gasthöfe der Stadt waren gefüllt bis zur letzten Kammer. Doch schließlich fanden sie noch einen schmutzigen Heuboden, wo die bisherigen Bewohner widerwillig zusammenrücken mussten, da der Besitzer gerne noch etwas dazu verdienen wollte.

In einer Kneipe in der Nähe nahmen sie ein kärgliche Mahl zu sich und studierten dabei eines der großen Plakate, das auch hier wie in der gesamten Stadt aushing:

Großer Wettkampf!

Nur der Starke schwimmt oben
Nur wer schneller ist als die Fische,
kommt ans Ziel
Wer ist schlauer als der Drache?

Preis für den Sieger:

Aufnahme in die berühmte Gilde der Drachenritter von Anir

„Das klingt ja eher wie ein Rätsel, nicht wie ein Wettkampf.“ Meinte Tarim. „Ich schätze es ist beides.“ Antwortete Alaanc.

„Ob da jeder teilnehmen kann?“ „Soweit ich gehört habe kann sich jeder bewerben.“ Sagte Tarim mit entschlossenem Gesicht. „Hast du trainiert dafür?“ Der groß gewachsene Bursche richtete sich noch höher auf und Alaanc sah seine stählernen Muskeln. „Natürlich, dafür bin ich her gekommen.“ Beide lachten und löffelten weiter ihre dünne Gemüsesuppe. „Du scheinst mir allerdings nicht sonderlich in Form.“ Meinte Tarim und Alaanc sah ihm an, dass er das aus Besorgnis sagte. Er hatte den großen Burschen aus dem Fischerdorf Nirtum an den Ufern des Anirsi schon in den wenigen Tagen ihres Beisammenseins ins Herz geschlossen, denn er hatte in ihm einen gutmütigen Freund entdeckt, dem man wirklich vertrauen konnte und Tarim ging es offenbar ebenso. „Weißt du,“ antwortete er ihm darum nun lachend, „ich hatte eigentlich keine Ahnung von dem Wettbewerb, ich bin hierher gekommen, weil ich ein Priester werden will.“ Tarim blickte ihn einen Moment verdutzt an, dann prusteten sie beiden los. Als sie mit ihrer Heiterkeitsausbruch fertig waren, zeigte Alaanc auf seinen Rucksack. „Genau genommen, bin ich bereits Priester.“ Er öffnete den Beutel und zog ein Gewand heraus. Tarim zog die Augenbrauen empor. „Du bist Aposger? Sagte er offenbar etwas erschrocken.“ Alaanc nickte. Ich erbte die Würde meines Vaters in unserem Dorf, doch er starb als ich erst zehn war und seitdem habe ich bei seiner Schwester gelebt und ihrer zehnköpfigen Familie. Das einzige was ich von meinem Vater besitze ist dieses Gewand und ein paar Geschichten.

Er war ein Priester der Drachen und ein Einsiedler dazu.“ „Wer war deine Mutter?“ Alaanc hob die Schultern. „Darüber wusste Lilane, meine Ziehmutter leider nicht viel, sie ist wohl im Kindbett gestorben.“ „Hmm! So bist du eine Weise“ Beide lachten erneut. „Nun, ich kenne zwar meine Eltern, aber viel besser ist es mir wohl auch nicht ergangen. Auch ich habe zahlreiche Geschwister und träume nicht gerade davon ebenfalls die Laufbahn eines armen Fischers einzuschlagen. Lass uns morgen beide zum Wettbewerb anmelden, du solltest es auch versuchen, was hast du zu verlieren?“ Sagte Tarim. Alaanc schüttelte langsam den Kopf, „Nein,“ antwortete er und kratzte seine Schüssel leer, „ich mache mir nichts aus dem Kampf und Drachen halte ich für heilige Tiere, ich werde morgen nach einem Tempel der Aposger suchen.“ Tarim lächelte nachsichtig und dann rauchten sie gemeinsam noch etwas Gambk und suchten schließlich ihre wenig verlockende Schlafstätte auf.

Am morgen erklärte Alaanc sich jedoch bereit Tarim auf dessen Bitten hin zunächst zur Anmeldung des Wettbewerbs zu begleiten. Der Ort war natürlich am Hafen, dort hatte die Gilde der Drachenritter ein großes Zelt aufgebaut, vor dem bereits eine ansehnliche Schlange an Bewerbern stand. Alle wirkten sie wie große erfahrene Recken und kampferprobte Abenteurer.

Alaanc blickte skeptisch auf die Ansammlung. „Ist die Teilnehmerzahl unbegrenzt?“ „Nein, schau doch dort auf das Schild,“ erwiderte Tarim. In großen schwarzen Lettern stand dort:

Zur Teilnahme am Wettbewerb seien aufgefordert:

11 Ritter, 9 Bauern & ein freies Los.

Daneben stand ein dicker Mann mit gutmütigem Gesicht und machte mit Kreide Striche unter die Angaben. Tarim und Alaanc stellten sich in die Schlange und Alaanc zählte die Striche.

„Die Ritter sind wohl schon alle gemeldet und es fehlen nur noch 3 Bauern.“ Er verzog grinsend den Mund. Ich fürchte Freund, es stehen hier noch etwa 20 vor uns in der Reihe, mindestens drei davon sind unter Garantie Bauern, also sind wir zu spät.“ Tarim leckte sich mit der Zunge über die Lippen, die Reihe rückte vor und sie kamen neben dem Zählmeister zum stehen.

„Sagt mal guter Mann, wird jeder, der sich meldet für den Wettbewerb angenommen?“ Der Dicke lachte. „Natürlich wenn er nur verrückt genug ist.“ Tarim machte ein langes Gesicht. „Was soll das genau bedeuten?“ Meinte Alaanc. Der Zählmeister bekam vom Zelt ein Zeichen und machte rasch hintereinander drei Striche unter den Gemeinen. Tarim stieß einen erstickten Laut aus. Ebenso erhob sich ein enttäuschtes Gemurmel unter den vor ihnen Stehenden. Ein großer und schlanker Mann trat jetzt aus dem Zelt hervor und erhob seine Stimme über das Gemurmel der Menge: „Die Liste der Bewerber ist nun komplett!“ Er verstummte und betrachtete mit Genugtuung, das die ganze Aufmerksamkeit der Menge, auf ihn gerichtet war. Er hatte bereits graue Schläfen und trug über seine Rüstung eine grüne Weste aus Drachenleder und am Gürtel ein zweischneidige Axt, aus irgendeinem Grund fand Alaanc ihn unsympathisch, aber er konnte es nicht genau fest machen woran das lag.

„Wer jedoch noch immer seine Chance wahr nehmen will, um teilzunehmen, der kann bei Sir Erlin dort eine Symbolrolle erwerben.“ Er wies auf den Zählmeister neben Alaanc und Tarim, der nun einen prallen Beutel in die Höhe hob in dem es klapperte.

„Ein Los!? Nur 5 Ar!“ Rief Sir Elin nun so laut, das Alaanc sich erschrocken die Ohren hielt.

Tarim grinste. „Meine Chance,“ murmelte er und zückte sogleich das Geld, woraufhin der Zahlmeister ihm als Ersten den Beutel hin hielt. Er zog rasch daraus eine kleine versiegelte Pergamentrolle hervor. Mindestens zwanzig andere taten es ihm nach.

Unterdessen hörten sie den Mann der aus dem Zelt getreten war sagen: „Am Tag des Wettkampfes, werden wir das Symbol des einen glücklichen Loses benennen, also übermorgen. Seit darum gewappnet ihr Recken. Wer den Kampf der ihn erwartet fürchtet, der sollte lieber von einer Teilnahme absehen.“

Tarim lachte, „von wegen, ich werde gewinnen,“ er grinste Alaanc an den soviel Zuversicht ehrlich überraschte. „Lass uns einen trinken Freund.“ Alaanc nickte und sie suchten sich eine nahe gelegene Hafenspelunke. Ihr Name lautete „Hasgurs Zuflucht“.

Nach einigen Metkrügen fragte Alaanc schließlich seinen Freund: „Willst du das Pergament nicht öffnen?“ Tarim schüttelte energisch den Kopf. „Das bringt Unglück. Aber morgen werde ich zum Tempel der 13 Glücksgöttinnen gehen und ihnen ein großzügiges Opfer bringen.“ Alaanc blickte ihn durchdringend an, dann lächelte er still in sich hinein. Er war sicher sein Freund würde Glück haben, denn niemand hatte es so verdient.

Sie zechten fröhlich weiter und redeten darüber was wohl genau die drei Bestandteile des Wettbewerbes für Prüfungen mit sich brachten und was das Leben eines Drachenwolfes, wie man die Drachenritter im Volksmund nannte, ausmachte.

Tarim wusste bereits sehr viel darüber, denn das Dorf aus dem er stammte lag nahe an der Stadt und darum hatte er bereits allerlei Gerüchte und Berichte über den nur alle fünf Jahre stattfindenden Wettbewerb gehört. Einmal ein berühmter Drachenwolf zu werden, war offenbar der Traum fast jedes jungen Burschen der Gegend.

Alaanc war erstaunt über all die Geschichten von den kriegerischen Seeleuten, die hinaus auf das Natru Drakon, wie man das Meer vor den Gestaden Arnirs nannte, fuhren um mit den wilden Seedrachen zu kämpfen. Und aus irgendeinem Grund bekam er eine Gänsehaut wenn er in Tarims Augen diesen mörderischen Glanz sah, wenn dieser davon schwärmte eines Tages viele Drachenhäute zum Markte zu tragen. Er schob es auf die ihm angeborenen Sympathie, welche er zu den Drachen hegte, obwohl er in seinem ganzen Leben noch nie einen zu Gesicht bekommen hatte. Dieses Gefühl musste ihm sein Vater vererbt haben und es hatte auch etwas damit zu tun, dass er Priester der Drachen war und er als sein Sohn es auch werden wollte. Er fühlte sich bereits als ihr Beschützer, obwohl er über diese Religion eigentlich noch nicht viel wusste, sie erst erlernen musste.

Der Gedanken ernüchterten ihn und er verspürte ein Schuldgefühl, dass er sein eigentliches Anliegen bisher noch nicht verfolgt hatte, ja, er hatte es durch Tarims Begeisterung angesteckt, sogar fast völlig vergessen.

Er richtete sich vom Tisch auf, zu welchem sich inzwischen noch andere unangenehm laute Burschen gesellt hatten, da Tarim sie gut gelaunt zu einer Runde eingeladen hatte und schritte mit dem Bedürfnis nach Frischluft und dem Drang zur Erleichterung vor die Tür der Spelunke in die nun fast völlig im Dunklen liegende Gasse hinaus.

Gab es in dieser Stadt überhaupt einen Tempel der Aposger? Seine Ziehmutter hatte ihm geraten nirgends offen danach zu fragen, da man die Drachenpriester nicht überall mochte, besonders die großen Kirchen mochten den „Eingottkult“ nicht. Wo sollte er also mit seiner Suche beginnen?

Gerade hatte er in einer schmutzigen Hausecke seine Notdurft verrichtet und wollte zurückkehren, da vernahm er plötzlich ungewöhnlichen Lärm aus dem Inneren der Kneipe. Laute Rufe, etwas wurde zerschlagen, ein Fenster splitterte. Was war da los? Er riss sich aus den Gedanken und stürzte hastig zurück, seinen Dolch hatte er dabei rasch gezogen, als die Tür der Spelunke schon weit aufgerissen wurde und einige der Halunken, die wie Alaanc erkannte, an ihrem Tisch gesessen hatten, johlend daraus hervor stürmten. Ohne groß darüber nachzudenken trat er ihnen in den Weg. Die Meute stoppte auf der hölzernen Treppe und die Nachkommenden verloren durch den Aufprall teilweise das Gleichgewicht und stolperten und vielen seitlich auf die Gasse herab.

„Was ist geschehen!“ Rief er mit einer lauten und entrüsteter Stimme, die er von sich selbst nicht kannte.

Der große, grobschlächtige Kerl, direkt vor ihm, trug ein schmutziges Lederwams und zwei lange bedrohliche Dolche am Gurt. Seine blonden Haare standen ihm wirr um den breiten Kopf, sein Vollbart war ebenso ungepflegt und sein nun sich zu einem breiten Grinsen verziehender Mund, war voller unvorteilhafter Zahnlücken. „Da ist ja das andere Jüngelchen!“ Rief er seinen Kumpanen zu, bestimmt hat der auch noch ein paar Goldstücke übrig für uns.“ Überraschend schnell hatte er seine beiden Dolche aus den Scheiden gezogen und hielt sie Allanc dicht unter die Nase.

„Was war mit Tarim?“ Alaancs Gedanken überschlugen sich und er befürchtete das Schlimmste. „Hatten sie ihn nur ausgeraubt, oder sogar ermordet? Verdammt, wie hatten sie bloß so sorglos sein können, in einer fremden Stadt. Natürlich gab es hier gefährliches Gesindel und nun bedrohten sie sogar sein Leben. Er musste rasch handeln, denn noch war er kein Drachenpriester, noch hatte er der Gewalt nicht abgeschworen.“ All dies blitzte durch seine Gedanken im Bruchteil einer Sekunde, die auch seinen Gegenüber vom Handeln abhielt und ohne nachzudenken zog er ebenso schnell wie dieser, das gefundene Schert aus der Scheide auf seinem Rücken was bisher vollständig von seinem langen Umhang verborgen gewesen war und pariertet die Dolchattacke im rechten Moment.

Die Augen des Halunken weiteten sich vor Erstaunen und er schien einen Augenblick erstarrt zu sein. Diesen nutzte Alaanc und griff nach dem Beutel in dessen Gürtel, den er eindeutig als die Börse seines Freundes erkannte, riss ihn heraus und versetzte dem überraschten Halunken damit einen harten Schlag gegen das vorgereckte Kinn. Er stürzte zu Boden wie vom Blitz getroffen und riss mit seinem Gewicht den Nachfolgenden Gauner mit um. Offenbar hatte er ihn sehr günstig erwischt, aber Alaanc verspürte auch schmerzlich seinen rechten Handrücken. Die Nachdrängenden hatten jedoch seitlich wieder auf die Beine gefunden und Zeit genug ihre Waffen zu ziehen. Offenbar handelte es sich um eine ganze Bande in deren Revier sie hier ahnungslos geraten waren. Es waren etwa sechs und Alaanc wusste nicht ob sie nicht noch Verstärkung herbei rufen würden falls nötig, aber zum Glück schienen sie alle lediglich mit Dolchen bewaffnet.

Gleich zwei Gestalten sprangen nun mit Kampfgeschrei von rechts auf ihn zu, während er im Augenwinkel gewahrte, das ein Dritter von links offenbar seinen Dolch als Wurfgeschoss nutzen wollte. „Zum Glück hatte seine Tante darauf bestanden, dass er wie auch ihre eigenen Söhne eine ganz leidliche Ausbildung im Umgang mit Waffen und vor allem ein Training seiner Geschicklichkeit und Stärke absolviert hatte.“ Doch der Dolch war von Meisterhand gezielt und er erkannte sofort, das alles Geschick ihn nicht vollständig aus dessen Bahn bringen konnte, er griff jedoch geistesgegenwärtig an sein Amulett verbunden mit dem Wunsch das Wurfgeschoss möge ihn doch noch verfehlen. Da wich es plötzlich wie von Geisterhand von seiner Bahn und traf stattdessen einen der beiden von der anderen Seite heranstürmenden Angreifer mit voller Wucht in die Brust. Stöhnend sackte dieser zu Boden und der Zweit stoppte geschockt ab, was Alaanc ausnutzte für seinen Angriff. Dieser war fürchterlich! Ungläubig verfolgte der junge Aniri wie ihn seine plötzlich blau leuchtende Klinge förmlich voran zog und unwiderstehliche Finten und Schläge ausführte, die sein Gegenüber blitzschnell entwaffnete und ihn, der vor Todesangst keuchte mit der scharfen Spitze gegen die Hauswand drückte. „Nicht töten,“ keuchte Alaanc und sein Schwert gehorchte offenbar.

Da erschien der Wirt im Eingang seiner Spelunke. Er trug eine schmutzig Schürze legte aber entschlossen eine Armbrust an. „Wer nicht sofort seine Waffen fallen lässt, ist ein toter Mann!“ Rief er mit donnernder Stimme.

Alle Gauner die dazu in der Lage waren, rafften sich hastig auf und stürzten in das Dunkel der fortlaufenden Gasse.

Sofort folgten ihnen tödliche Bolzen, die offenbar zumindest zwei von ihnen niederstreckten. Der Kerl, der Alaanc zuerst bedroht hatte und der offenbar ihr Anführer war, drohte dem Wirt mit grimmiger Miene mit der Faust. Noch immer schien er jedoch von Alaancs Faustschlag ein wenig benommen. „Wenn Sugukar das erfährt, wirst du seine Rache zu spüren bekommen!“ Knurrte er finster. „Nimm die Beine in die Hand Halunke, bevor ich sie dir mit meinen Bolzen spicke. Und sag deinem Gildenführer, bei Hasgur werden die Gäste nicht beraubt. Er soll seine Langfinger aus diesem Gebiet zurückziehen, sonst hetzte ich ihm die Drakolier auf den Hals.“ Alaanc zog sein Schwert langsam von der Kehle des Diebs den er an die Mauer gepresst hielt zurück und gab ihm ein Wink mit den Augen sich ebenfalls zu trollen. Er und sein Anführer machten sich nur zu gerne aus dem Staub. Alaanc steckte erleichtert das Schwert weg und schritt zum Eingang der Spelunke hin. „Was ist da drinnen passiert?!“ Sagte er, in dunkler Vorahnung. Der Wirt musterte ihn mit anerkennendem Blick. „Ihr seit ein erstaunlicher junger Mann. Ich habe noch selten jemanden gesehen, der so geschickt sein Schwert schwingt und diese wunderbare Waffe, woher habt ihr sie?“ Alaanc achtete nicht auf seine Fragen sondern drängte an ihm vorbei in die Stube. Dort herrscht große Aufregung und zuerst erkannte er nicht wo der Tisch mit Tarim war. Die meisten der Personen im Inneren hatten offenbar den Kampf auf der Gasse von den Fenstern aus verfolgt. Sie kehrten nun gerade quer durch den Raum zu ihren Plätzen zurück. Doch als Alaanc eintrat wichen ihm die meisten ehrfürchtig aus dem Weg und bildeten schließlich eine Gasse zum Tisch auf dem Tarim zusammengesunken lag. Er beschleunigte seine Schritte und beugte sich besorgt über ihn. „Tarim, was ist mit dir? Was ist geschehen?“ Tarim antwortete nicht und rührte sich nicht. Er lag mit dem Gesicht auf der Tischplatte und ein dünner, grüner Rinnsaal lief ihm aus dem halb geöffneten Mund. Er richtete ihn mühsam auf, denn sein großer Körper war vollkommen schlaff und viel schwer zurück gegen die Stuhllehne. Erschrocken sah Alaanc das seine Augäpfel verdreht waren und fast nur noch das Weiß zu sehen war. Hilfe suchend blickte er sich um und traf den Blick einer jungen Frau mit elfischem Äußeren, die nah beim Tisch stand und diesen ernst erwiderte. „Ich vermute sie haben ihm ein Gift in den Becher getan, das ist die übliche Methode der Fatime hier im Viertel.“ Alaanc verspürte wie große Wut in ihm hochkochte. „Wer kann ihm helfen?“ Stieß er hervor. Keiner der anderen Gäste schien sich weiter um das Geschehen zu kümmern. Die Chai jedoch, Alaanc vermutete das sie ein Halbblut war kam näher. „Sie hielten euch junge Burschen wohl für leichte Opfer,“ sagte sie mit ruhiger Stimme, „nun wenn ich ehrlich bin, hätte ich das an ihre Stelle auch vermutet. In Euch steckt jedoch mehr als man Euch auf den ersten Blick an sieht.“ Alaanc war klar, das sie damit vor allem ihn meinte, offenbar hatte sie das Geschehen vor der Tür ebenfalls genau verfolgt. Er fühlte sich ein wenig geschmeichelt, was seine Wut aber nicht verdrängte. „Ich habe Euch etwas gefragt,“ sagte er darum grob. Er kannte sich zwar auch selbst ein wenig mit der Heilkunst aus, doch hatte er einfach wenig Übung mit Vergiftungen und wohl kaum etwas gegen künstliche Giftgemische in seinem Beutel dabei. Tarim stöhnte plötzlich auf, verdrehte die Augen noch weiter und als Alaanc seine Aufmerksamkeit ihm erschrocken zuwandte erbrach er sich über den Tisch, wobei er wiederum heftig stöhnte. Was sollte er tun? Alaanc steckte Tarims Geldbeutel, den er die ganze Zeit noch immer in der Hand gehalten hatte in seinen Gürtel und holte hastig aus einer Umhangtasche ein Bündel Kräuterblätter hervor. Er sah sie rasch durch und winkte dann dem Wirt, der eilig herbei geschritten kam. „Könnt ihr daraus schnell einen Tee brauen?“ Der Wirt wollte gerade die Blätter nehmen die Alaanc ihm entgegen reichte, da fiel ihm die Chai in den Arm. „Nehmt kein Anfelas, es würde ihn töten. Sie zog eine kleine Ampulle hervor und reichte sie Alaanc. Eine Messerspitze dieses Pulvers aufgelöst in Wein und zwei Wochen Bettruhe könnte ihn dagegen vielleicht retten.“ Alaanc warf ihr einen wilden und verwirrten Blick zu. „Woher soll ich wissen dass, das der Wahrheit entspricht?“ Zischte er mit zusammengepressten Lippen. „Ihr habt nur mein Wort.“ Sagte sie mit ungerührter Miene. Er zögerte nur kurz, dann ergriff er die Ampulle und sagte zum Wirt: „Rasch Mann einen Krug Wein!“ Dieser war in kurzer Zeit herbei geschafft. Alaanc gab eine Messerspitze in einen Trinkbecher und flößte das zischende Gebräu seinem Freund ein. Tarim hustete, spukte und stöhnte noch heftiger wobei Alaanc der Fremden einen verzweifelten Blick zu warf. Diese wandte sich inzwischen an den Wirt. „Ihr schuldet Eurem Gast ein Zimmer und die nötige Pflege, schließlich geschah all dies unter Euren Augen.“ Hasgur brummte etwas unverständliches nickte aber. Dann rief er zwei starke Schankburschen herbei, die Tarim aufhalfen um ihn wie er Alaanc zu verstehen gab ein Stockwerk höher zu bringen. Tarim versuchte nun etwas zu sagen, seine Augäpfel schienen in die rechte Stellung zurückgekehrt zu sein, waren aber noch gefährlich gerötet. Alaanc neigte den Kopf um ihn besser zu verstehen, nickte dann und zeigte ihm den Beutel, den er gerettet hatte. Tarim schien beruhigt und ließ sich widerstandslos zur Treppe geleiten.

Es schien ihm tatsächlich bereits etwas besser zu gehen und Alaanc wandte sich nun zu der Fremden um um ihr zu danken, doch sie war verschwunden.

Suchend blickte er über die Köpfe der sitzenden hinweg und sah noch ihren Kopf mit den geflochtenen Zöpfen zur Tür der Spelunke hinaus verschwinden. Er biss sich auf die Lippen und fluchte, dann folgte er dem Wirt, der mit einer Schale Wasser und Tüchern die Treppe zu oberen Stock vorweg ging.

Nachdem er einige Zeit an Tarims Lager gesessen hatte, bis der Freund schließlich in scheinbar entspannten Schlaf gesunken war, stieg er und es war bereits tiefe Nacht, noch einmal hinab in die Schankstube.

Der Wirt und seine Schankburschen räumten gerade alles zusammen, die Gäste waren offenbar bereits vor die Tür gesetzt worden.

Hasgur nickte ihm zu. „Ihr könnt das Zimmer neben eurem Freund nutzen, es ist ebenfalls frei.“ Alaanc dankte ihm und zog ihn dann ein wenig auf Seite.

„Habt ihr keine Angst vor der Rache dieser Diebesgilde?“ Hasgur blickte ihn grimmig an. „Zur Zeit fürchten sie die Drakolier zu sehr, ihr habt vielleicht gehört, dass ich ihnen damit drohte.“ Alaanc nickte. „Und wer oder was sind diese Drakolier?“ Der Wirt zuckte mit den Schultern. „Keiner weiß es so genau, aber es handelt sich wohl um eine Art Geheimbund, der sich zum Ziel gesetzt hat alle Gesetzlosen aus der Stadt zu treiben oder sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen. In den letzten Wochen tauchten darum immer wieder die Leichen zuvor gefürchtete Halunken auf, mit einem blutigen D auf der Brust.“ Alaanc blickte ihn verblüfft an. „Und wer steckt hinter der Sache?“ „Die Priester vermuten der verbotene Drachenkult.“ Alaancs Augen weiteten sich. „Die Aposger?“ „So nennen sie sich wohl selbst,“ sagte Hasgur und nickte. „Übrigens…,“ er zwinkerte mit den Augen, „….ich denke einige der Stadtbewohner sind ihnen ganz dankbar, denn der Baron und seine Stadtwachen kümmern sich kaum um das ganze Gesindel, das in den letzten Jahren die Stadt überschwemmt hat.“

Alaanc blickte ihn ungläubig an, „aber ich dachte, die Drachenritter seien so etwas wie die Hüter des Gesetztes hier?“ „Die Drachenritter?“ Der Wirt lachte nun scheinbar ehrlich verblüfft. „Wie kommst du auf so was Junge? Das ist eine Kaste eitler Gecken, die sich um nichts kümmert außer um ihren eigenen Ruf.“ Alaanc schluckte. „Und all diese Heldentaten von denen man gehört hat?“ „Hmm, Ammenmärchen oder aus längst vergangener Zeit. Heutzutage gibt es nur noch die alten Rituale und kaum ein Drachenritter fährt mehr wirklich weit raus um es mit einem echten Drachen aufzunehmen. Die meiste Zeit hängen sie in den Kneipen rum.“ Er lachte erneut. „Was natürlich aus meiner Sicht gar nicht so schlecht ist.“ Alaanc wandte sich betrübt ab, doch dann viel ihm noch was ein und er blieb stehen. „Noch eins, kanntet ihr zufällig die Halbelfe, die uns die Medizin gab?“ Hasgur machte eine unmerkliche Bewegung mit dem Kopf, die Alaanc als Zustimmung deutete. „Ihr Name lautete Selime, es gibt Leute die glauben, sie sei eine von denen.“ „Von denen?“ Hasgur räusperte sich und senkte die Stimme. „Wie nanntet ihr sie doch gleich, eine Aposger, eine Drachenpriesterin.“

Alaanc wachte zwei Nächte am Bett seines Freundes und dessen Zustand besserte sich nur unmerklich aber doch soweit, dass er schließlich etwas Nahrung zu sich nehmen konnte und zu ihm sprach: „Es ist leider nicht möglich für mich am Wettbewerb teilzunehmen,“ flüsterte er, „du musst es für mich tun.“ Alaanc schüttelte nachdrücklich den Kopf, doch Tarim sprach im Fieber immer wieder davon, bis Alaanc schließlich zustimmte, nur um seinen Freund zu beruhigen.

Am nächsten Morgen, dem Morgen des großen Wettkampfes, war Tarim tot.

[1]Beschreibung der Drachen durch den Ukari Meitimion in seinem Buch über die Völker

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