Der Reiter von Meramel

  1. Roman aus der dreizackigen Welt

RAST

Rast Wagenbauer, Halbling, Lehrling , Großpelz, Faulpelz und wie manche meinten auch ein Großmaul, wurde zu seinem großen Verdruss, in die Armee König Langbarts von Meramal eingezogen.

Was sollte er da tun, wenn er keine Lust dazu hatte, Alte und Schwache auszurauben, junge Mädchen zu schänden oder Dörfer in Schutt und Asche zu legen. Also schnappt er sich das Pferd des Generals und ab die Post! Doch das war der unverhoffte Beginn eines großen Abenteuers, denn nun beginnt die dreizackige Welt zu wanken.

Wie der Wind ritt er dahin.
Sie waren ihm vermutlich hart auf den Versen.
Er hatte keinen wirklichen Plan, außer dem so viel Land wie möglich, zwischen sich und seinen womöglich wenig erbauten Kammeraden zu bringen. Die sich vermutlich schon genüßlich vorstellten, ihn zu teeren und federn.
Tatsächlich hatten sie nur einen kleinen Trupp Verfolger auf ihn angesetzt, vermutlich war er doch nicht wichtig genug, allenfalls das Pferd. Denn er hatte sich das schnellste Pferd, den Schimmel des Generals ausgesucht und daher konnten sie ihn so schnell, hoffte er zumindest, nicht einholen.

Und so war es auch …
Eine Stunde später drehte er sich im Sattel um und stellte zufrieden fest,
dass sie offenbar aufgegeben hatten.
Er saß erleichtert ab und führte das gestohlene Pferd zu einem nah gelegenen Wasserloch.
Dort klopfte er ihm dankbar auf den Hals und ließ es trinken.

Dabei betrachtete er neugierig die Umgebung.
Er war in Richtung der brennenden Grenze geritten, vielleicht auch schon darüber hinweg.
Der Wald war auf jeden Fall dichter an die Ebene herangerückt und schon länger gab es keine Spur mehr von einer Straße, er war zuletzt allenfalls einem schmalen Trampelpfad gefolgt.

Vermutlich war er auch weiter nach Osten abgetrieben worden, ein bis zwei Wegstunden weg von der steinigen Küste, schätze er, wo das Haus seiner Familie in der Stadt Wassernah, stand.

Die Schönheit der Wildnis die ihn hier umgab, ging ihm jedoch völlig ab.
Denn es war früher Abend und zunehmend kalt und windig geworden, Regen lag in der Luft und er sorgte sich daher um einen passenden Unterschlupf für die Nacht. Irgendwann, aber vorerst war an Umkehr nicht zu denken.

Plötzlich beschlich ihn ein seltsames Gefühl.
Warum seit Generationen nur wenige die brennende Grenze überschreiten wollte, erschloss sich ihm nicht. Es gab zwar zahlreiche Geschichten und Gerüchte über das Land und die Wesen, Feen, Riesen, Drachen, Alben, die dahinter leben sollten, doch er hielt mindestens die Hälfte davon für Ammenmärchen. Und schließlich war auch niemand oder irgendetwas zu sehen, was auf Gefahren hindeutete.

Kurz erwog er trotzdem umzukehren und vielleicht einen weiten Bogen nach Norden einzuschlagen, um wenigsten vor der Nacht noch zurück ins Tiefland zu kommen,  als ihn ein Geräusch auf der Hügelkuppe unter der sich das Wasserloch befand, aufhorchen lies. Plötzlich sah er das dort eine Gestalt stand. Er erschrak kurz, beschattete dann aber sein Augen mit der Hand, bis er sie deutlicher sehen konnte und vernahm nun auch zu seiner weiteren Überraschung, einen Ruf von dort.

Die Gestalt, die ihm dünn und klein vorkam, winkte offenbar zu jemandem hinter sich und zeigte dann zu ihm herab. Dabei rief sie, aber er musste sich wohl verhört haben, in der Allgemeinssprache:

„Der König! Der König ist gekommen!“

Er blickte unwillkürlich hinter sich, dann ergriff er stirnrunzelnd die Zügel seines  Pferdes und ging näher zum Fuß des Hügels um besser zu dem Rufer hinauf blicken zu können.
Was er sah verunsicherte ihn jedoch zusätzlich, denn er erkannte nun ein schlankes Großpelz-Mädchen, dass mit festem, wie es ihm schien, ebenso neugierigem Blick auf ihn herab sah, wie er zu ihr herauf.
Wo war er, hatte er eventuell doch einen Bogen geschlagen und war nun in der Nähe einer Siedlung? Sonst konnte er sich das nicht erklären.

Jetzt winkte sie ihm sogar zu und begann den Hügel hinunter zu steigen. Er blickte sich etwas beunruhigt um, ob noch andere zu sehen waren, vor allem Soldaten, wem hatte sie da Zeichen gemacht? Doch bisher konnte er niemanden außer ihr entdecken.

Er entschloß sich darum, nicht das Weite zu suchen, bis sie dann auch schon schneller als gedacht, vom Fels herab, direkt vor ihn sprang, die Hand zwar am Griff seines Schwertes, aber sie zog es nicht.

Stattdessen kam sie ganz nah heran und blickte ihn mit großen runden Augen an. „Thia“ Sagte sie dann.

Rast sah in ein schmales Gesicht, umrandet von grünblauen Locken, Am Gürtel ihres braunen Wamses steckte noch ein Dolch und sie schien kaum jünger als er selbst zu sein. Das ungewöhnlichste war aber insgesamt ihr sehr gepflegtes Äußeres. Er hatte noch nie eine so sauber gekleidete und hübsche Großpelzmaid gesehen? Vorallem in der Wildniss. Im Moment merkte er darum, dass ihm der Mund offen stand und klappte ihn rasch zu, bemüht um eine Antwort.

„Rast Wagenbauer, aus Nahwasser, hm Wassernah“, er lächelte schief, ob seiner ihm selbst peinlichen Nervosität, fuhr dann fort: „Wer, wer seit ihr und hm, wo bin ich hier? Gibt es ein Dorf in der Nähe?“ Zu seiner Überraschung, verbeugte sie sich knapp und lächelte ihn nun um so freundlicher an, wie es ihm schien.
„Ihr seit natürlich zuhause Maijestät und ich wusste, dass der König eines Tages zurück kommt, auf seinem weißen Pferd.“ Sie warf bei diesen Worten dem Hengst nicht zum ersten Mal, einen bewundernden Blicke zu.

Rast schürzte die Lippen. Erlaubte sie sich mit ihm einen üblen Scherz? Doch sie fuhr in unübersehbarer Begeisterung fort:
„Jeden Monat, hält eine von uns Wächterinen, Ausschau nach Euch. Niemals hätte ich geglaubt, dass ich es mal sein würde, der ihr nun tatsächlich als erste begegnet.“

Rast wusste nicht was er darauf sagen sollte und wollte das Missverständnis eigentlich gerne aufklären, doch er war zugleich zu verblüfft und zögerte noch.

Thia fuhr unterdessen schon etwas eindringlicher fort. „Das ist endlich das Ende unserer Verbannung, unser Volk wartet schon so lange darauf.“

Rast schluckte, hier lag ganz offenbar eine unglaubliche Verwechslung vor, doch sie erwartet offensichtlich eine Bestätigung von ihm und er brauchte dringend eine Unterkunft für die Nacht und etwas zu Essen. Was konnte es also schaden, diese Maid zu ihrem Dorf zu begleiten und wenn sie ihn für einen König hielten, hatte er vielleicht sogar ein weiches Bett zu erwarten.

Allerdings fürchtete er auch immer noch irgendeinen faulen Zauber. Dass es nämlich so nah an der brennenden Grenze noch ein Großpelz Dorf gab, davon hatte er noch nie gehört und diese Thia sah auch überhaupt nicht wie seine Leute aus, sie war einfach zu gut gekleidet.
Die Großpelze die er kannte, besassen in ganz Meramel und soweit er wusste auch überall sonst, wenig Wohlstand. Sie durften in der Gesellschaft der Dak, wie sich die Stampffüße nannten, höchstens als Handwerker arbeiten, wie sein Vater. Die meisten waren Arbeitssklaven, Fußvolk in der Armee, jedenfalls nur wenige freie Männer.

Doch er vertrieb zunächst die verwirrenden Gedanken.
„Nun,“ sagte er, „Ich bin sehr müde und hungrig und würde mich gerne in Eurer Gesellschaft wie ein König fühlen.“

Sie lachte und als sie ihn nun nocheinmal dazu aufforderte, ihr zu folgen, nickte er möglichst huldvoll und tat es mit einem gemischten Gefühl aus Spannung und Erleichterung.

Das verborgene Königreich

„Hört gut zu“, sagte Antime, wenn wir eines Tages befreit sind. Werden wir es besser machen.“

Die gebannt lauschenden Kinder nickten ergriffe.

Sie wussten genau was ihr Lehrer meinte. Die Vertreibung ihrer Vorfahren lag lange zurück, war aber noch immer ein ganz zentraler Teil, der kollektiven Erinnerung ihres Volkes.

Die Fem hatten einst die Welt erobert, doch auch wieder verloren, an die schrecklichen Dak und die Götter hatten sie, wegen ihrer Sünden (welche das gewesen waren, wusste niemand mehr so genau), verbannt hinter die brennende Grenze. Erst wenn ein König auf einem weißen Pferd sie überschreitet, wird sie fallen und wir können ins Alte Land zurückkehren. So stand es in den Schriften und so verkündeten es die Schamanen seit Jahrhunderten.

Nur was gab es eigentlich auf der anderen Seite, hierüber gab es zahlreiche Gerüchte und Legenden, doch Melia hielt die meisten für Ammenmärchen. Sie stand während der Lehrstunde lächelnd am Türpfosten und beobachtet ihren kleinen Sohn Jel, der dem Lehrer gebannt lauschte. Sie glaubte trotzdem gerne an die Prophezeiung, auch wenn Thia, ihre ältere Tochter von ihrer Wacht schon bald, ein weiteres Mal zurück kommen würde und natürlich, würde ihr wieder kein König erschienen sein.

Als Thia dann in Begleitung des Königs kam, brach ein Tumult in der Stadt aus, wie er noch nie da gewesen war.

Meramel

König Otim war unzufrieden mit der Welt, er war zugleich Magier, Philosoph und Sternendeuter. Aber er konnte nicht hinter die Ecken der Welt schauen und all ihre Geheimnisse ergründen. Das frustrierte ihn immer wieder. Das Leben in seinem Königreich lief zäh wie ein Teerfluß, seit Jahrhunderten war es ein hauen und Stechen um Land und Brot, aber die Götter belohnten weder die Sieger noch trösteten sie die Verlierer, dass musste alles er tun, der König. Am liebsten hätter er vorzeitig abgedankt, aber noch war das nicht möglich, denn dies musste alles nach einer strengen Ordnung geschehen.

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