Historischer Roman-1

Im Schatten des Adlers

(in Arbeit)

Eine römisch-germanische Liebesgeschichte zur Zeit des Arminius-Aufstandes

(ca. 9 n. Chr.)

Kapitel I: Die Tochter des Decurio

Colonia Claudia Ara Agrippinensium – das heutige Köln – war eine blühende Grenzstadt des Römischen Reiches, befestigt, organisiert, und doch stets mit einem Ohr in die wilde Welt jenseits des Rheins gerichtet. Hier lebte Aurelia Valeria, Tochter eines angesehenen Decurio, eines Stadtratsmitglieds und Veteranen der Legio I Germanica.

Aurelia war schön, klug und von einer seltenen Neugier beseelt. Sie konnte lesen, kannte die Philosophie Senecas und den Geschmack frischer Feigen mit Honig. Doch das geregelte Leben der Stadt – die kultivierte Ordnung, die höfischen Spiele – begannen sie zu langweilen. Die Geschichten über das Land jenseits des Rheins, von dunklen Wäldern, freien Völkern und uralten Göttern, übten eine seltsame Faszination auf sie aus.

Als eines Tages eine Gesandtschaft germanischer Fürsten zur Verhandlung in die Stadt kam, war Aurelia unter den Zuschauern, die den Tross am Stadttor empfingen. Unter ihnen war Berowulf, Sohn eines Cheruskerfürsten – hochgewachsen, mit wilden blonden Haaren, markanten Zügen und einem Blick, der in ihre Seele zu sehen schien. Er sprach kaum Latein, aber seine Miene sagte oft mehr als viele Worte.

Sie begegneten sich bei einem Fest, das zur Begrüßung der Gesandtschaft ausgerichtet wurde. Ihre erste Unterhaltung war unbeholfen, geprägt von Gesten, Lächeln und einem Dolmetscher. Und doch war da sofort etwas – ein Ziehen, ein Erkennen, ein Flüstern, das nur die beiden hörten.

Kapitel II: Zwischen zwei Welten

Tage vergingen, und Berowulf blieb. Immer häufiger trafen sie sich – zuerst im Geheimen, dann bei Spaziergängen am Rheinufer, wo die römischen Gärten in die wilden Ufer übergingen. Aurelia fragte ihn nach den Göttern seines Volkes, nach den dichten Wäldern, den Festen, den Liedern. Und er hörte ihr zu, wenn sie ihm von den Straßen Roms, den Thermen und den Tragödien der Dichter erzählte.

Doch über allem lag ein dunkler Schatten: Arminius, einer der mächtigsten Cheruskerfürsten und ehemaliger Verbündeter Roms, sammelte die Stämme für einen Aufstand gegen das Imperium. Die Gerüchte wurden lauter, die Spannungen spürbarer. Aurelias Vater misstraute der ganzen Gesandtschaft – und besonders Berowulf.

Als die Verhandlungen scheiterten und die Germanen die Stadt verließen, stand Aurelia vor einer Entscheidung: ihrer Herkunft treu bleiben – oder der Sehnsucht ihres Herzens folgen.

Und sie wählte das Unvorstellbare: In einer mondlosen Nacht verließ sie ihre Villa, schlich durch das Tor, das Berowulf für sie offen hielt, und überquerte mit ihm den Fluss – hinaus in die Wälder Germaniens, in eine Welt, die keine Marmorstraßen kannte, aber echte Freiheit versprach.

Kapitel III: Die Fremde unter den Bäumen

In Berowulfs Dorf war sie eine Fremde. Misstrauische Blicke, halblaute Bemerkungen. Doch sie lernte – schnell. Sie trug Pelze statt Seide, kochte über offenem Feuer, lernte die Sprache, die Lieder, die Sitten.

Aber der Aufstand nahm Gestalt an. Arminius rief zum Kampf gegen die Römer – und Berowulf folgte ihm. Aurelia spürte, dass die Entscheidung, die sie getroffen hatte, sie nun zwischen zwei Welten zerriss: Ihrem Vaterland, dem sie abgeschworen hatte, und dem Mann, der nun vielleicht bald gegen Rom kämpfen würde.

Eines Abends, in der Stille des Waldes, fragte sie Berowulf:

„Wenn wir gegen Rom ziehen – und mein Vater steht auf der anderen Seite – wirst du ihn töten?“

Berowulf senkte den Blick. „Ich kämpfe nicht gegen dich, Aurelia. Aber ich kämpfe für mein Volk.“

Und sie verstand: Liebe allein würde nicht genügen, um die Kluft zwischen Herkunft und Herz zu überbrücken.

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