Das Ticket ins Damals

(In Arbeit)
Eine Zeitreise, zwei Fremde und ein Weg durch das Mittelalter – oder zurück ins Heute?
Kapitel 1: Die Reise
Er hatte ihren letzten Satz noch im Sinn und doch zweifelte er an dem was er dabei empfinden sollte. Seine Gedanken wanderten, während er durch das Fenster hinaus in den Regen blickte, der sich aus dunklen Wolken hinab in den reißenden Rhein ergoss.
„Das ist nicht mein Leben“ hatte sie gesagt. Jeder hatte eine andere Vorstellung vom eigenen Leben, oder auch nicht. Die meisten hielten es jedenfalls für die eigene Vorstellung. Doch diese setzte sich allzu oft aus der Vorstellung anderer zusammen, die man aufnahm in sich und die schnell und bequem das eigene Wahrnehmen verdrängte. Jeder wollte sein und haben was die anderen hatten, wollte dazugehören. Warum eigentlich?
Gut, er wollte nicht länger darüber nachdenken. Eine Reise wäre jetzt gut. Irgendwohin, wo es nicht regnete. Irgendetwas ungeplantes tun, etwas ganz spontanes … der Held seines eigenen Lebens werden, zumindest für eine kurze Zeit.
Schneller getan als gesagt. Er packte die Tasche die sie eigentlich für sich gepackt hatte, selbst schuld, wer zu lange im Bad blieb. Man sollte nicht zu sehr in den Spiegel sehen, wollte man sein Leben verlassen. Er lachte leise und verließ die Wohnung, wobei er die Tür sehr sanft schloss. Nehme ich die rechte oder die linke Tür dachte er, allerdings mehr symbolisch und nahm dann den Fahrstuhl. Im Foyer des Hauses angekommen, das im unteren Bereich ein Hotel war, ging er hinaus in den Regen. An einen Schirm hatte er nicht gedacht, aber zum Glück wartete ein Taxi, das sie vermutlich bestellt hatte. Ein letztes Mal würde sie ihm verzeihen müssen. „Bahnhof.“
Bert stand vor dem Schalter des kleinen Reisebüros im Bahnhof, wie ein Mann, der zu spät zur eigenen Rettung gekommen war.
Er trug noch den Ehering und dachte wieder an Vera. „Wir brauchen Abstand“, hatte sie gesagt. Bert hatte gelächelt, wie man es tut, wenn man hofft, dass jemand es nicht ernst meint.
Aber sie hatte sich entschieden und er auch – und der Flug, den sie Monate zuvor gemeinsam gebucht hatten, blieb bestehen. Zwei Tickets. Nur einer da.
Er hatte sich nicht abmelden können. Nicht von der Reise. Nicht vom Leben. Stattdessen stand er nun hier, mit dem Ausdruck seiner Buchung in der einen Hand und mit ihrem Koffer in der anderen.
„Irgendein Problem mit der Buchung?“ fragte Jala, die junge Frau hinter dem Schalter. Ihre dunklen Locken waren zum Dutt gebunden, sie wirkte organisiert, aber ihre Augen verrieten, dass sie in Gedanken woanders war.
Bert antwortete nicht gleich. Dann schüttelte er langsam den Kopf. „Nein. Nur… eine Frage. Wenn man zwei Tickets hat, aber nur einer reist…“
Sie hob eine Braue. „Dann fliegen Sie eben allein.“
Er atmete durch. Dann sagte er – ohne zu wissen warum –:
„Kommen Sie mit?“
Jala lachte. „Wohin?“
„Deutschland. Morgen früh.“
Einige Stunden später stand er in der Schlange am Flughafen und sah auf die Flut von Anrufen, die er blockiert hatte. Ja, es war nicht fair, aber er konnte es jetzt nicht erklären. Er musste es einfach tun. Die Welt sehen über die er schrieb. Nicht nur die Innenwelt. Auch wenn das manchmal das Gleiche war.
Er hatte während des Fluges Kontakt aufgenommen zu einer Koryphäe der europäischen Mittelalter Forschung. Die Frau war mittleren Alters und hatte viele Ausgrabungen hinter sich. Sie war überrascht gewesen, aber nicht abgeneigt ihm zu begegnen. Letztlich war es wohl eher nur Neugierde, aber das war schließlich immer schon der Antrieb des Menschen.
Er schrieb Vera jetzt eine etwas längere Nachricht, um sich zu entschuldigen und zu erklären. Immerhin wollte er zurück kommen, aber eben nicht ohne etwas herausgefunden zu haben über sich und die Menschen an sich. Warum war der Glaube an das Übernatürliche eine so wichtiges Element in uns. Er hatte Angst vor der Antwort, auch wenn er sie zum Teil schon wusste.
Bert, also seinen Namen, war das einzige was sie zurück schrieb. Mit drei Ausrufe- und drei Fragezeichen. Das war typisch für sie und typisch für eine neue Zeit, die selbst Sprache ärmer machte, während sie zugleich den künstlichen Sprachreichtum auf allen Feldern eine KI überließen. Würde das vielleicht wenigstens zu mehr Logik und damit Wahrheit in unserer Kommunikation führen?
Jala, hatte das Ticket doch genommen und war kurz vor dem Abflug plötzlich neben ihm auf den Sitz gerutscht. Sie hatte ihn nur angelächelt und er hatte genickt.
Sie sah ihn an. Länger, als es üblich war. Dann beugte sie sich vor, sah auf den Ausdruck, dann wieder in seine Augen.
„Ich hatte heute meinen letzten Tag“, sagte sie leise. „Habe gekündigt. Ich weiß nicht, warum.“
„Dann wissen wir beide es nicht“, sagte Bert.
Zwei Fremde mit leerem Gepäck – innen wie außen.
Kapitel 2: Der Riss
Über der Nordsee gerieten sie in einen Sturm, der auf keiner Wetterkarte verzeichnet war. Das Flugzeug ruckelte, als würde es durch zähes Wasser schneiden. Draußen flackerte ein Licht, das keiner der anderen Passagiere zu bemerken schien. Dann wurde es still – zu still.
Als Bert wieder zu sich kam, lag er auf einem weichen Moosbett. Über ihm rauschte dichter Wald. Keine Trümmer. Keine Flugzeuge. Nur das Zwitschern fremder Vögel und der schwere Duft von Erde.
Jala lag ein paar Meter weiter, bewusstlos, aber lebendig.
Es gab kein Flugzeug. Kein Geräusch moderner Technik. Kein Zeichen, dass sie sich noch im 21. Jahrhundert befanden.
Sie wanderten stundenlang durch das dichte, fremde Land, bis sie schließlich auf ein kleines Dorf stießen – strohgedeckte Hütten, rauchende Feuerstellen, Menschen in wollenen Tuniken, die sie ansahen, als wären sie Geister.
Eine alte Frau murmelte ein Gebet und bekreuzigte sich. Ein Mann trat vor, mit einem Speer in der Hand.
„Wer seid ihr?“
Jala flüsterte: „Entweder ist das eine verdammt gute Show… oder…“
„…wir sind nicht mehr da, wo wir waren“, beendete Bert.
Kapitel 3: Feuer und Brot
Die Dorfbewohner hielten sie zunächst für Spione oder Hexen. Doch Jala konnte nähen, und Bert war mit einem Vater aufgewachsen der Handwerker war und seinem Sohn schon in früher Kindheit beigebrachte hatte wie man fast alles reparieren konnte. So gelang ihm das mit einem hölzernen Pflug. Darum durften sie bleiben.
Sie lebten in einer Hütte ohne Fenster, aßen Brei und Brot und wärmten sich an einem Feuer, das ständig gepflegt werden musste. Die Zeit lief langsamer. Die Nächte waren still – zu still für zwei Menschen, die an Stadtgeräusche gewöhnt waren.
Aber etwas in ihnen begann zu heilen. Bert hörte auf, ständig an seine Vergangenheit zu denken. Jala lachte wieder, wenn auch selten. Sie fanden eine Sprache, die keine Worte brauchte – in Blicken, Gesten, der geteilten Stille.
Doch eines Nachts erzählte ein Händler von einem „Steinkreis im Norden“, der „nicht von dieser Welt“ sei. Die Alten sagten, dort hätten schon früher Menschen ihre Welt verlassen. Oder… zurückgefunden.
Kapitel 4: Die Wahl
Es dauerte Wochen, den Ort zu finden – eine Anhöhe inmitten dunkler Wälder, auf der gewaltige Steine in einem Kreis standen. Davor: ein einzelner Stein mit einer flachen Oberfläche, auf der in ihrer Sprache eingraviert war:
„Wer zurückkehrt, lässt alles zurück. Wer bleibt, verliert, was war.“
Bert sah Jala an. „Was wollen wir tun?“
Sie antwortete nicht sofort. Dann sagte sie: „Ich hatte in meinem alten Leben einen Plan. Ich wollte Sicherheit. Karriere. Kontrolle. Und dann… kamst du. Und das hier. Und jetzt weiß ich nicht mehr, was ich will.“
„Vielleicht“, sagte Bert, „ist das der Anfang von etwas Neuem. Wir könnten es versuchen.“
Sie lächelte.
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Ende – oder Anfang.
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Wie geht es weiter: Fortsetzungen
1. Kapitel 5: Rückkehr ins Heute – sie gehen durch den Steinkreis, doch etwas ist verändert.
2. Kapitel 6: Entscheidung fürs Damals – sie zerstören den Kreis, um endgültig zu bleiben.
3. Kapitel 7: Zerreißprobe – nur einer will zurück, der andere nicht.
4. Kapitel 8: Mystisches Geheimnis – die Zeitreise war kein Zufall. Sie wurden „gerufen“.
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