Schattenseiten

Vielleicht habt ihr sie auf diesem Blog schon erahnt, denn in dem wie ich die Welt sehe, in anderen Beiträgen hier, bin ich ja ganz offen sehr kritisch mit meinen Mitmenschen.

Kritik hat wie vieles aber zwei Seiten. Sie kann motivieren, jene Menschen die auch selbstkritisch sein können, sich angespornt fühlen oder die eigenen Schwächen kennen.

Aber sie kann auch die Schwachen, jene ohne Selbstbewusstsein (durchaus schuldlos), verletzen, sie noch mehr schwächen oder vernichten.

Menschen neigen dazu, insbesondere Kinder, die noch keine Verhaltensregeln gelernt haben und/oder moralische Zurückhaltung kennen, mit großer Ehrlichkeit, ander zu kritisieren. Es gibt auch immer wieder Erwachsene die Ehrlichkeit über Rücksicht stellen. Leider sind gerade solhe Menschen, dann aber selten genauso ehrlich zu sich selbst.

Inzwischen wurde das immerhin schon von einigen Psychologen und anderen Experten erkannt und auch Methoden entwickelt, die uns befähigen sollen, einen anderen Umgang mit unseren Mitmenschen zu finden und was noch wichtiger ist, weil das die Basis der positiven Einstellung darstellt, mit der wir in jeden Konflikt gehen sollten. Sich selbst zu finden. Zum Beispiel die GfK (gewaltfreie Kommunikation)

Dieses von Rosenberg entwickelte Konzept, hat lobenswerte Ansätze und ist im Einzelfall ganz bestimmt nützlich. Als Konzept für alle und jede Situation aber fragwürdig.

Das Problem ist vor allem, dass wenn etwas populär wird, wird es eben oft verwässert, verändert, überhöht. Das eigene Denken wird dabei verlernt, während man nur Regeln anwendet, die man nie mehr in Frage stellt.

Die Grundlage sollte aber immer bleiben, mit dem Herzen zuzuhören und mit dem Herzen zu entscheiden, was dann notwenig ist, damit der Andere einem vertraut.

Denn Vertrauen ist die Basis für Verständnis und Veränderung!

Das wir dann frei entscheiden, was in der Situation richtig ist und das wir dafür auch Verantwortung übernehmen.

Ich persönlich habe dieses Vorgehen und die positive Grundhaltung gegenüber meinen Mitmenschen eigentlich schon über meine Erziehung verinnerlicht. Benötige Fortbildungen und Lehrgänge hier eher zur Ergänzung und Methodenschulung, aber viele, viele …, besonders hierarchisch und patriachal denkende/erzogene Männer (auch einige Frauen), brauchen das schon und solche Angebote sind daher wichtig.

Aber sie sind eben auch gefährlich, wenn daraus eine Mission (Wahn) entsteht, der man hörig wird. Das passiert leider in unserer modernen Gesellschaft gerade oft. Vor allem Frauen suchen sich Ersatzreligionen, wie Yoga, Tantra, Kuscheln, Tanzen, Klettern usw. (auch Männer natürlich aber wniger welche die das Denken beeinflußen: Fitness, Fußball, u.a.) und sehen nicht, wie sehr sie hier nicht sich individuell befreien, sondern wieder auch in der Masse (die genau das gleiche macht) binden und unbeweglich machen.

Das Seltsame ist auch hier wieder, obwohl es mich nicht wirklich überrascht, dass zwar offenen Kommunikation, Zuhören, etwas nicht bewerten wollen, gepredigt wird, aber äußert man sich kritisch, gegen ihre „Götter“, kennen sie dieser Werte, reflexartig dann selbst doch nicht.

So können sich die Menschen, trotz guter Konzepte nicht ändern. Ob jemand positiv und offenherzig dem Anderen gegenüber tritt ist eben leider keine erlernbare Fähigkeit, sondern eine Charaktereigenschaft, die man hat oder auch nicht.

Sicher kann man auf einer sachlichen Ebene Regeln erlernen um Zusammenarbeit zu erleichtern. Die Erfahrung aber zeigt doch, dass die allermeisten Menschen, ihre Emotionen von der Sache nicht trennen können und damit immer alles bewerten. Wenn ich die 4 Schritter der GfK richtig verstehe, wird dies sogar eingefordert. Wie das gleichzeitig gewaltlos vonstatten gehen soll, was ja der Anspruch ist, bleibt mir ein Rätsel. Menschen, so meine Erfahrung, sind dazu nicht dauerhaft in der Lage. (allenfalls mal die Dauer eines Seminars lang)

Könnte man Diskussionen auf allen Ebenen: Beruf, Familie, Beziehung, immer nur auf den Kern versachlichen, wäre das viel zielführender. Warum muß eine Lösung erst durch Dampf ablassen, Wut, Unzufriedenheit gefunden werden. Bliebe man einfach bei der Sache, ohne zu deuten, polarisieren, beurteilen, auch schon in der Ausführung der Arbeit, sogar des Lebens ansich, gäbe es doch garkeinen Grund zur negativen Emotion!

Ist das naiv? Ich glaube nicht, denn mir gelingt es z.B. im Wesentlichen, meine privaten Emotionen aus der Arbeit heraus zu halten, ohne dass ich dafür irgendeine Technik erlernen musste. Es ist mir einfach klar, dass beides nichts miteinander zu tun hat und mich nur ausbremst.

Warum ist es dann nicht jedem möglich?

Weil das private Ich, heute viel mehr das gesamte Ich vereinnahmt und weil die Selbstdefinition in unserer medialen Gesellschaft auch völlig überhöht ist. Wir halten uns für genauso wichtig, wie jeden anderen. Das ist auch rein menschlich gut und richtig, nur eben nicht in jeder gesellschaftlichen Hinsicht. Wer bestimmte Positionen einnimmt, muss und hat sich diese vielleicht auch verdient, durch Fleiss und Disziplin, durch Bildung und Fantasie, durch Freundlichkeit und Empathie. Wer all dies selbst nicht  leistet, sollte genug Selbsteinschätzung und Demut besitzen, wichtige Entscheidungen manchmal anderen zu überlassen und diesen auch ihre Position neidlos zu gönnen. Den Kompetenten, den Führenden zu vertrauen und nicht alles immer gleich in Frage zu stellen.

Das ist auch die Basis unserer Demokratie und darum wankt sie gerade.

Hier ist es wichtig, dass nicht nur der Handelnde, sondern gerade der eher passive Mensch, wieder aktiv bereit ist sich auch positiv verändern und lenken zu lassen. In der GfK braucht es also nicht nur gar keine Gewalt, sondern vor allem mehr gegenseitige Empathie, die sich auch schon mal in „gewaltiger“ Freude und Ärger ausdrücken darf, aber im Kern immer sachlich bleiben sollte.

Das ist meine Meinung und Lösungsvorschlag. Nur stoße ich leider immerwieder auf große Unbeweglichkeit der Menschen und wenn sie sich bewegen, dann schnell wieder unbeweglich nur in eine Richtung, nach einem aufgeschnappten, gerade modernen Prinziep oder Konzept, Ideologie, Religion.

Das ist das ewige Dilema.

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