Freundschaft und soziale Bindung

Habt ihr echte Freunde?

Ich meine solche, die Euch immer gerne treffen, die Euch zuhören, denen ihr alles erzählen könnt, die selbst die Initiative ergreifen Euch treffen zu wollen?

Offenbar gibt es so etwas öfter zwischen Frauen, schon Mädchen tauschen sich oft über persönliche Gefühle aus. Männer hingegen sind mehr Einzelgänger. Sie haben zwar Kumpels mit gemeinsamen Interessen, aber keinen Busenfreund ( Der Begriff sagt schon alles ).

Das führt dazu, das Männer ihre Probleme mehr versuchen mit sich selbst zu regeln. Frauen sind mitteilsamer, aber das birgt auch Risiken. So werden aus Freundinnen auch schon mal schnell Rivalinen oder es entsteht Missgunst und Neid. Sie reden sich Probleme groß oder ein. Laufen zu Therapeuten, Ärzten.

Ich hatte als Kind einige gute Freunde, auch im Sport und dann im Studium zuletzt einen, mit dem ich mich auch sehr persönlich austauschen konnte, doch leider ist irgendwann seine Freundin dazwischen gegrätscht, weil sie es nicht ertragen konnte, dass es neben ihr noch jemand anders gab, dem er sich anvertraut hat und er hat es leider zugelassen, dass sie uns entzweite.

Was Vergleichbares hab ich auch mit meinem Bruder erlebt, der für mich erst lange ein zweiter Vater und Vorbild war, dann ein kurze Zeit ein freundschaftlicher Bruder, aber mehr und mehr sich durch den Einfluß seiner besitzergreifenden Frau von mir entfernt hat und allerdings auch von allen anderen, unseren Eltern zum Beispiel und seinem sonstigen Freundeskreis.

Seit dem existieren, wenn ich ehrlich bin, keine wirklich guten Freunde mehr, auch keine Weiblichen. Aber das ist ja, wie wir aus Harry und Sally wissen eh nicht möglich. Es gibt nur mal gute Bekannte, Sportskammeraden und Trinkkumpel, Geliebte und alle Versuche da was zu vertiefen, scheitern eben oft daran, dass diese Männer/Frauen zu sehr schon gebunden sind an andere Menschen (ihre Partner/Expartener) oder Freunde aus der Kindheit (manchen gelingt tattsächlich eine so lange Verbindung) oder auch „falschen“ Freunden (s.u.).

Offenbar nimmt die Bereitschaft, neue tiefe Freundschaften einzugehen mit zunehmendem Alter auch grundsätzlich ab.

Aber warum ist das so, haben nicht wir alle das Bedürfniss, gute Freunde zu haben?

Vielleicht liegt es ja an mir? Auch diesem Problem würde ich hier gerne analythisch auf den Grund gehen. Ich freue mich über Eure Anregungen.

Aber, ich war eigentlich, von meiner jugendlichen Schüchternheit mal abgesehen, immer ein Mensch der das Wort ergreift, Stellung nimmt und in der Runde (Schule, Arbeit, Familie, Freizeit) sich einbringt. Immer wieder wurde mein Gemeinschaftssinn auch gesehen, wurde ich dafür gelobt oder mir eben bestimmte Positionen, Führung zugetraut.

Aber vielleicht liegt gerade darin auch das Problem. Beste Freunde sind eben oft nicht gegensätzlich. Menschen suchen das Wohlfühlmoment mit Freunden, verbindend ist nicht der Unterschied.

Die größte Ursache ist, wie schon erwähnt, wohl Neid und Missgunst oder dass man sich von jemand anderen beeinflußen lässt (falsche Freunde), die uns ein falsches Bild von uns malen, zu ihrem eigenen Vorteil. Auch Vorurteile spielen sicher mit rein und nicht selten die banale Bequemlichkeit. Freundschaften muss man pflegen.

Die Sehnsucht der Menschen nach Freunden wurde immer schon von anderen ausgenutzt, im Internetzeitalter wird das geradezu instrumentalisiert (Facebook und Co.)

Das verändert die Gesellschaft insgesamt (s. USA) Freundschaft wird einsamen Menschen vorgespielt und sie werden dann manipuliert, für die Wirtschaft oder rechtspopulistische Ziele. Die Freiheit des Netztes, die Meinungsfreiheit (ansich toll) birgt so auch eine große Gefahr. Wenn die Guten nicht Filtern, die Bösen tuen es und finden so ihre Opfer.

Die Ursache ist aber, dass eben so viele Menschen vereinsamt sind, dass sie darum alles gerne glauben (und eben manchmal auch mit sich machen lassen), was diese Einsamkeit „scheinbar“ überwinden kann. Das ist bei der Suche nach einer Beziehung nicht anders. Darum machen auch hier so viele Menschen ziemlich dumme Sachen.

Keiner ist davor gefeit, denn auch wer Freunde und Beziehung hat, muss in Bewegung bleiben, sie pflegen, sie vielseitig und spannend halten. Verfällt man in starre Rituale, kann man auch innerhalb einer Familie, Beziehung, Freundschaft, im Beruf, einsam werden.

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Eigentum von Ludger Christian Albrecht (Luc A.)

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