Die Weisheit der Zeit

Kann man Weisheit auch erlangen, wenn man nichts tut? Kann man sie einfach in sich finden? Oder muß man reisen, Menschen begegnen, muß man in Bewegung bleiben?

Ich glaube schon. Die Bewegung ist ein sehr wichtiges Moment in unserem Leben, im Inneren, wie im Äußeren. Was nicht bedeutet, dass man nicht auch mal zur Ruhe kommen kann, ankommen.

Wenn ich dichte, so werde ich eben fast immer von Erlebnissen und Menschen inspiriert oder man könnte auch sagen bewegt, manchmal auch „nur“ von Texten die ich lese. Oft eröffnet sich mir da eine neue Welt, die andere erlebt haben.

Gäbe es das nicht und ich kenne das aus vielen verlorenen Tagen, dann stagniert man, zweifelt man, verzweifelt man vielleicht sogar, wird krank darüber.

Darum ist mir inzwischen klar, mein Glück und damit meine Erkenntnissuche, muß möglichst viel in Bewegung bleiben.

So oft begegne ich in letzter Zeit Menschen, bei denen das nicht so ist. Sie verharren auf der Stelle. Manche schon seit Jahren, aber es gelingt mir manchmal, sie ein Stück mitzuziehen.

Aber wir wollen nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen, obwohl es kaum möglich ist sich nur alleine zu sehen in unserer Bienenstock- Gesellschaft. Aber jeder kann, sollte vielleicht bei sich den Anfang machen.

Eine pauschale Beurteilung aller Menschen ist ohnehin unmöglich und verbietet sich auch, so sehr sie sich doch manchmal anbietet, in unserem Herdenverhalten. Trotz aller Ähnlichkeit und tatsächlich, zeitlich und genetisch gesehen, nahen Abstammung zueinander, vom Urmenschen bis heute, für das Universum nur eine Sekunde, sind wir auch total unterschiedlich.

Warum? Weil jeder, jeden Gedanken anders denken kann. Das ist die außergewöhnliche Fähigkeit des Menschen. Nicht, dass wir alle gebrauch davon machen würden.

Nur wenige tun es auf eine vernünftige Weise, nur wenige können es, haben es gelernt, die Gedanken abzuwägen.

Schaut man auf die Denker, Dichter, Philosophen der Vergangenheit, dass vergessen wir heute oft, ist man erstaunt, wie modern diese, die Welt schon analysieren konnten. Die Stärken und Schwächen des Menschen, die Gefühle, die Ursachen von Angst und Sehnsucht. Auch sie sind an den gleichen Fragen gewachsen und/oder gescheitert.

Darum und nicht nur darum, habe ich mein schlechtes Gewissen im Griff. Würde ich keine Begegnungen suchen, ja, sie sind auch körperlich erfüllend, würde ich nichts lernen. Natürlich kann man alles auch vor einem moralischen Kontext sehen. Denn, keine Frage, der Mensch braucht einen Kodex, der das Miteinander regelt, aber eben nicht nur.

Eine Freundin sagte mal zu mir, „aber es ist wichtig was Du tust, nicht nur was Du sagst/schreibst“. Ihr Motivation hinter diesem Satz und das ist unser Problem meistens, war aber sehr persönlich. Sie wollte das ich etwas in ihrem Sinne tue, mich von alten Bindungen löse um mit ihr aber nichts Neues/Gemeinsames entstehen zu lassen, sondern nur die Rolle zu spielen die sie sich für mich vorstellte. Das ist das Grundproblem, die meisten Frauen haben eine genaue Vorstellung, wie der Mann sein soll oder in welcher Weise sie ihn formen wollen. Ich finde aber, die wichtige Balance liegt darin, dass was einem Wert ist, auch zu bewahren und daraus, gemeinsam vielleicht auch Neues zu entwickeln. Das bedeute aber, dass auch Frau sich bewegen muss. Das ist nur oft der Kern des Problems.

Schon sind wir vom Menschen allgemein, in der Geschlechterproblematik angekommen und sehen wie sehr uns nicht nur die Biologie sondern auch die Gesellschaft seit Jahrtausenden prägt und gefangen hält.

Mehr noch, als ein Studium der Weisheiten, erlangt man diese durch das Atmen, das die Sonne tanken, den Regen auf der Haut und das spüren allgemein. Wobei auch Irrtümer nicht ausgeschloßen sind, nein, sogar imens wichtig!

Ich irre, also bin ich. Und je öfter ich irre, je mehr Zeit ich mit den Versuchen verbringe, Menschen und Leben zu ergründen, desto mehr Weisheit kann ich erlangen, wenn mein Verstand und meine Bildung diese begreifen.

Ich glaube, dass viele dazu imstande wären, aber sie werden durch Angst gelähmt. Lieber nichts bewegen, nichts sagen, dann kann mir auch nichts passieren.

Auch ich bewege mich manchmal eben nur offen mit Worten, mit Taten die auch verletzen könnten, nur im Verborgenen, um eben genau dies nicht zu tun. Aber der Grund ist da nicht nur die Angst, vor dem Urteil der Anderen, sondern im Gegenteil, es ist mir wichtig, das Leben der Anderer, die mir etwas bedeuten,  nicht zerstören zu wollen. Welches Recht hätte ich dazu?

Natürlich steht das entgegen unserem Wunsch nach Aufrichtigkeit, aber diese ist aus meiner Sicht etwas anders als die nackte, manchmal bittere Wahrheit.

Das wäre aus meiner Sicht selbstsüchtiger, als das Schweigen. Denn es zerstört oft mehr, als ein kleine Fehltritt es kann. Da höre ich viele Beispiele und das fängt im Trennungsprozess an, der eine Kette von Verletzungen in Gang setzt, die nicht mehr aufzuhalten ist. Nein, ich schütze mich und Euch davor und nur das ist weise.

Außerdem: Harte Trennungen, mit Tränen und Wut, sind eine schlechte Grundlage für ein positives Danach, auch wenn es zunächst befreiend wirken kann. Ich habe so viele Beispiele erzählt bekommen schon.

Mit der Zeit, wird ohnehin dass, was im Moment ein Eklat wäre, vergessen und klein und unbedeutend. Ich weiß, dass ich bei dem bleibe, was mehr ist als eine schnelle Befriedigung. Ich weiß den Wert abzuwägen und das bereite ich mit großem Geschick, schon bei der Suche, nach dem durchaus wichtigen Erlebnissen vor.

Ich übe hier immer echte Achtsamkeit, darauf könnt ihr Euch verlassen.

Aber ich will im Austausch auch etwas bekommen, weiter lernen. Die Frage ist nur, ob man nicht über den Schmerz am meisten lernt? Ich bin nicht sicher. Nur wer sagt Euch, dass ich im Schweigen nicht auch leide.

Bestimmt kann man aber daran wachsen und vielleicht dann auch etwas neues, ganz besonderes finden. Das ist schon mein Ziel. Nur, das gebe ich zu, man kann eben auch zerbrechen und ist es das dann wert?

Vielen ist das Risiko zu hoch, aber sie leiden am Ende des Tages doch mehr daran, was sie nicht getan haben, al an dem was sie getan haben.

Nicht jeder bringt die Stärke mit um sich immer wieder aufzurichten und seelische Verletzungen bleiben leider oft. Auch wenn man nicht drüber reden will, sie schwingen im Leben mit.

Die Legion der Psycholog_Innen spricht da ja Bände. Aber auch wenn es wichtig ist, daß uns jemand zuhört, am wichtigsten ist, dass wir das selbst können (dabei ehrlich zu uns selbst sind) und dann könnten wir uns auch selbst therapieren. (jedenfall theoretisch)

Wünsche ich mir da jemanden? Nur mit angezogener Handbremse, hab ich gemerkt. Denn so wie es mir oft nicht gelingt, nicht vorurteilsfrei zu interpretieren, ist das sicherlich ein allgemein menschliches Problem. Viele Blogs hier spiegeln das auch wieder.

Wir kultivieren gerne unsere Sicht auf die Welt. Aber ist das weise? Kaum. Nur scheint das den meisten egal. Sie wollen sich nicht lösen von ihren Begrenzungen, denn sie sind eben auch ein Schutzwall.

Was ändert die Zeit daran? Man sagt ja, wenn wir älter werden, gewinnen wir Weisheit. Velleicht so ähnlich, wie wir plötzlich den Sex mehr genießen (hauptsächlich bei Frauen verbreitet) und die Erfahrung uns besser macht (hoffenlich bei Männern verbreitet).

Schön wäre das. Trotzdem lassen das viele nicht zu, sondern verharren trotzig in ihren Selbstbeschränkungen. Das ist das Dilema!

Ich selbst glaube, daß ich trotz einiger Dummheiten in meiner Jugend, die vielleicht jeder macht, schon immer das Leben ernst, manchmal zu ernst genommen habe und in gewisser Weise schon weiser war als Gleichaltrige. Warum? Weil ich reflektieren konnte, weil ich früh schon mit Worten das Leben beschrieben habe, schon als Kind. Trotzdem war ich nicht nur introvertiert sonder auch immer dem Leben zugewandt, war draußen, mit Freunden, in der Natur, beim Sport. Die Vielfalt war mein Antrieb und meine natürliche Charakter/Menschbildung.

Dafür bin ich dankbar, aber an diesem „Andersein“, leide ich zugleich auch immer noch. So war/bin ich auch Außenseiter.

Ich bin anders wie ihr! Kein Mann wie andere Männer. Ich lebe bewusst und reflektiert, nicht fehlerlos, vielleicht sogar seelisch auf einem Drahtseil, aber es ist zugleich meine starke Richtschnur, außerhalb Eurer, so oft verlogenen Moral.

Und nur so kann mir die Zeit vielleicht noch Weisheit bringen, auch über das mehr Dummheiten machen und ohne die ganze Welt persönlich zu sehen, da bin ich sicher.

© 2020 Alle Texte und Ideen sind geistiges
Eigentum von Ludger Christian Albrecht (Luc A.)

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