Das Ich-Moment

Die Ich-Sicht auf die Welt ist eine die ich zunehmend bewusster wahrnehme, bei mir selbst, wie bei anderen. Trotz aller ähnlichen Sozialisation, nimmt das Ich, die persönliche Wahrnehmung, einen ganz großen Teil unserer Weltsicht ein.

Ich bin eigentlich mehr jemand der flexibel im Moment lebt und handelt, nicht so sehr aus festgelegeten Überzeugungen heraus, aber meine Wahrnehmung und was ich gut oder schlecht finde ist natürlich auch durch meine Erziehung und meine Vorbilder geprägt worden.

Ich kann leichter oberflächlich davon los lassen, aber tief in mir sitzen doch auch Vorurteile, die ich kaum überwinden kann. Zumindest nicht aus der Ferne. Wenn man den einzelnen Menschen wirklich kennenlernt, ist es immer etwas anderes.

Das habt ihr bei meinen anderen Texten bestimmt schon gemerkt, ich urteile wie jeder Mensch, sicher hin und wieder vorschnell und ungerecht. Dessen bin ich mir aber durchaus bewusst.

Ich rede mir dann manchmal ein, dass es ja andere auch so machen oder dass es bestimmte Leute auch verdient haben, weil „ähnliche“ Leute eben auch so sind. Weil ich vermute, dass mein Bild von ihnen stimmt, nicht weil ich es weiß. Das rechtfertigt dann meine schlechte Meinung über sie.

Ich bin mir dessen bewußt und schäme mich auch nicht selten dafür, aber auch das kann ich mir recht gut wieder schön reden. Wenn auch nur damit, dass ich auch nicht immer von allen gerecht eingeschätzt und behandelt wurde im Leben. So mache ich es mir einfach und ich denke dass machen ganz viele so.

Natürlich ist es ja auch verständlichen, dass das denkende Wesen, den eigenen Vorteil und das damit verbundene Überleben in der Masse für gerechtfertigt hält. Wenn einem zugleich schmerzhaft bewusst ist, dass man eigentlich nicht wichtiger als jeder andere aus der Herde ist, ist die Angst unbedeutend zu sein, darum noch größer und der Eifer sich vom Anderen abzugrenzen, in dem man sich für etwas besseres hält oder glaubt mehr geleistet zu haben, das Glück mehr verdient zu haben.

Das Ich hat immer eine kritische Sicht auf das andere Ich, denn Unterschiede machen Angst oder beunruhigen zumindest doch. Was man nicht verstehen kann, das empfindet man mindestens als seltsam, oft eben sogar als Bedrohung.

Aber warum können wir nicht alle unsere Logik anwenden, um klar zu unterscheiden, wo Ursache und Wirkung ist, im Handeln der anderen Menschen. Wenn jemand so oder so ist, dies oder das tut, gibt es immer Gründe, die im Objektiven, nicht nur im Subjektiven liegen.

Das müssen wir zuzulassen lernen. Jeder hat das Recht seine eigenen Fehler zu machen und wenn er diese bis zum Lebensende wiederholt, ist das eben so.

Niemand hat das Recht darüber zu urteilen, man darf es aber doch trotzdem auch kritisch begleiten und hinterfragen und warum nicht auch den anderen zum Umdenken oder anders Handeln einladen.

Aber nur, wenn er oder sie dazu bereit sind. Das Ich des anderen muss ein Stück weit bereit sein ein Wir zuzulassen. Die Meinung des anderen Ich, als mindesten zum Teil objektiv und gleichwertig zu erkennen und anzunehmen.

Aber auch da stoßen wir so oft auf Mauern, Ängste, unsinniges Festhalten an eingebildeten Wahrheiten. Mein ewiges Thema.

Ist das nicht selbst ein dummes Vorurteil? Ist das nur meine egoistische Ich-Sicht? Ist das wieder nur Neid und Missgunst?

Die Erfahrung und der Austausch mit den Menschen, die genau so auch oft gehandelt haben und es dann nachher bereuen, lässt mir aber die bittere Gewissheit, dass ich mich da leider wohl nicht irre.

Natürlich kann es immer im Einzelfall tatsächlich Liebe sein, aber erstens entschuldigt diese nicht jede Dummheit und eigentlich ist es aber oft fehlendes Selbstbewusstsein, dass diese Menschen immer in die gleiche Lebensfalle tappen und an die falschen Partner geraten lässt.

Sind alle Männer falsch außer mir? Das ist Quatsch. Aber natürlich gibt es Männer, die eine frauenfeindliche Erziehung, Einstellung, Kultur, Religion mitbringen und die offenbar trotzdem oder gerade darum große Anziehungskraft auf Frauen haben. Absurderweise! Das exotische, das Fremde macht eben nicht nur Angst, es kann auch gerade darum begehrt sein, weil es anders, aufregend ist.

Das nutzen diese Männer, dann eben oft auch aus.

Es gibt nur eine Welt und ich bin unbedingt dafür! Das mich keiner hier falsch versteht, aber Egoismus und das Ausnutzen von Vorteilen in jedweder Hinsicht, ist ein menschliches Übel, ebenso unabhängig von Hautfarbe und Herkunft und sollte auch so benannt werden dürfen. Auch Minderheiten sind oft Teil einer Meinungsfront. Sie sind auch fehlbar und in der Lage böse Dinge zu tun, das sieht man ja nicht zuletzt, an den Attentaten von Terroristen gegen ihre Mitmenschen im neuen Heimatland, weil sie sich einreden oder von Demagogen eingeredet bekommen, das Recht dazu zu haben andere zu töten oder ins Unglück zu stürzen, obwohl sie manchmal jahrelang mit ihnen als friedliche Nachbarn gelebt haben.

Das Ich-Moment siegt immer über das Wir-Moment und darum sind wir Menschen unserer ärgster Feind, im kleinen oft ungerechten Alltag, wie im großen Ganzen.

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Eigentum von Ludger Christian Albrecht (Luc A.)

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