Der Poet …

 Ein Textversuch …

Er saß im Café und betrachtet nachdenklich die vorbei laufenden Menschen.

Einerseits liebte er dieses bei sich selbst sein, andererseits hatte er es auch irgendwie verlernt. Als er noch jung gewesen war und sein Leben nicht in Scherben hinter ihm lag, war es anders gewesen. Damals hatte er noch die Geduld mit sich selbst gekannt.

Er konnte sich konzentrieren und Ruhe finden. Wenn auch nur in manchen Momenten wie diesen. Die stete Unruhe war auch damals schon in ihm angelegt gewesen.

Wenn er ehrlich war schon immer.

Heute nach Jahrzehnten hatte er den Kampf längst verloren. Er konnte nicht bei einem anderen Menschen bleiben, ihm nur wichtig sein, schon gar nicht vielen.

Er bewunderte die Menschen die das konnten, die so intensiv für andere fühlten, ob in Liebe oder Freundschaft, selbst in flüchtiger Bekanntschaft, innig und herzlich waren. Auch wenn er manchmal den Verdacht hatte, sie waren doch alle nur viel bessere Schauspieler wie er.

Immerhin konnte er auch Gefühl ausdrücken, mit dem Körper oder mit Worten, gesprochen oder geschrieben. Darin war er gut, aber es war eine überwiegend verborgene Fähigkeit, eine die man lesen oder der man echt begegnen musste.

Aber er hatte seine Lebenszeit zu lange kaum für Begegnungen genutzt, er war entgegen seiner sicher zwiespältigen Außenwahrnehmung, stets eher verschlossen gewesen. Aber er konnte eben nicht aus seiner Haut und hatte auch nur bedingt das Glück gehabt in der Vergangenheit, von jemanden an die Hand genommen zu werden.

Die Poesie war das einzige was ihn gerettet hatte, aber zugleich auch irgendwie verführt, wie eine Droge oder eine Liebende.

Er betrachtet ein schönes Mädchen am Nachbartisch.

Die Lust war ein treibendes Moment in seinem Leben gewesen, schon immer. Vielleicht war das normal, aber ganz sicher war er auch hier nicht. Wie ein Mensch war und dachte, lag an so vielen Einflüssen und konnte, wie man täglich erfuhr, nicht unterschiedlicher sein. Selbst dieselben Handlungen konnten sehr unterschiedlich motiviert oder dann auch interpretiert werden.

Mit Menschen zu kommunizieren war das schwierigste was er sich nur vorstellen konnte. Er hatte stets Sehnsucht danach und fürchtete sich zugleich davor, sie misszuverstehen oder missverstanden zu werden.

Selbst die Körpersprache konnte er, obwohl er sie erst seit wenigen Jahren vollends für sich entdeckt hatte, nicht als einheitliches, einfaches Empfinden, schön oder nicht schön, wahrnehmen. Auch sie bedurfte eines Willens und einer immer neuen Motivation. Die schönste Empfindung, war tatsächlich die Abwechslung.

Das war erstaunlich und er genoss es, verbunden mit seiner Fantasie, die in manchen Zeiten sein einziger Halt gewesen war.

Menschen die dies so offensiv lebten wie seine Geliebte, bewunderte und beneidete er zugleich.

Nichts war schwerer als zu teilen, in der Realität, nicht nur in der Theorie.

Das bewies die aktuelle Flüchtlingskrise mehr denn je.

Die Psychologie der Menschen war komplex, das war ihm noch mehr bewusst geworden, nachdem er inzwischen drei Affären mit Psychologinnen gehabt hatte. Frauen die die Psyche des Menschen studiert hatten und trotzdem auf unterschiedliche und doch für jeden, außer für sie selbst, offensichtliche Weise am Leben scheiterten oder sich in ihre eigene Sicht so verstrickten, dass sie nicht mehr heraus fanden.

Das tat natürlich mehr oder weniger irgendwie jeder, doch er hatte das Gefühl, das zugleich, die wenigsten sich dabei selbst distanziert, objektiv betrachten konnten und sich aus ihren Verstrickungen befreien schon gar nicht. Das war tragisch, aber vielleicht war er ja ebenfalls so verstrickt in seine Sicht, dass ihm selbst keine objektive Betrachtung mehr möglich war.

In jedem Fall war der Kontakt mit diesen Frauen, mit Menschen allgemein, sehr spannend und hielt den Puls des Lebens hoch. Ein Spiel, ja, aber er hatte nicht dass Gefühl sie auszunutzen, nur zu profitieren, solange er ihnen auch immer ganz viel geben konnte.

Darin war er inzwischen sehr gut und sich bewusst. Er fand hinein und hinaus  in die Kommunikation und Interaktion. Auch wenn es manchmal knapp war und sein innerliche Rechtfertigung  nicht selten ins Wanken geriet.

Er schlürfte den Kaffee und schaute aus seinen Gedanken heraus. Dort liefen Leute, Frauen, Männer mit eigenen Leben. Mehr über sie zu wissen wäre auch sehr spannend.

Das war neu für ihn, die Zunahme seiner eigenen Erfahrungen hatten ihn offen gemacht dafür zuzuhören und zuzusehen. Er wollte gerne sehen, in ihre kleinen Leben…

Ein schlanke Studentin ging vorbei, mit kurzen rötlichen Haaren, sie war hübsch, auf eine sehr individuelle Art, aber war sie wirklich Studentin? Er wusste nichts über sie aber seine Gedanken erschufen ein Fantasie aus Beobachtung, ihr energischer Schritt, die zusammen gekniffenen Lippen, sie war verärgert, vielleicht enttäuscht, lief sie davon? Vor wem? War sie Teil eines Liebesdramas? Waren die Gefühle echt oder nur eine Maske?

Die Geschichte begann …

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